Posts mit dem Label B-Gefahren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label B-Gefahren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

22.07.2012

Studentenkurs Katastrophenmedizin im Bayer. Fernsehen

Aus- und Fortbildung: Am Mittwoch, 25.7.2012 ab 17:30 Uhr wird das Bayerische Fernsehen live von einer Dekontaminationsübung im Rahmen des Studentenkurses Katastrophenmedizin am Universitätsklinikum Regensburg berichten.

Gesendet wird aus Pentling bei Regensburg, wo der dortige ABC-Zug der Freiwilligen Feuerwehr den Studierenden Aufbau und Funktion eines Dekontaminationsplatzes für Personen und Fahrzeuge demonstriert. Daneben ist noch eine Einblendung von der Sichtungsübung vorgesehen.

Quellen / weiterführende Informationen:
Link zum online-Video auf der BR-Homepage:
- Schalte 1
- Schalte 2
- Fotostrecke vom Dreh

Verwandte Beiträge:
- Studentische Ausbildung in Katastrophenmedizin in Regensburg (02.01.2010)
- 2. Tübinger Sommerakademie Katastrophenmedizin und humanitäre Hilfe (30.03.2011)
- Alle Beiträge der Rubrik Aus- und Fortbildung

30.06.2012

Google als Denguefieber-Frühwarnsystem

B-Gefahren: Google hat sein bewährtes Influenza-Frühwarnsystem auch auf das Denguefieber ausgeweitet. Anhand der von Nutzern eingegebenen Suchbegriffe versucht Google auf die Häufigkeit der Erkrankung zu schließen und stellt die Daten beinahe in Echtzeit unter dem Titel "Google Denguefieber-Trends" im Internet bereit.

Zur Überprüfung ihrer Methode hat Google die eigenen Nutzerdaten retrospektiv mit Daten der Gesundheitsbehörden in Brasilien, Bolivien, Indien, Indonesien und Singapur abgeglichen und so ein Rechenmodell erstellt und getestet. Die Ergebnisse wurden von Google in der Wissenschaftszeitschrift PLoS Neglected Tropical Diseases veröffentlicht.

Diese Art der Erkrankungsüberwachung könnte eine wertvolle Ergänzung zu traditionellen epoidemiologischen Surveillance-Maßnahmen darstellen. Letztere beruhen vorwiegend auf Meldungen aus dem Gesundheitssystem an die Behörden, und stehen daher im Allgemeinen erst mit einer zeitlichen Verzögerung von Tagen bis Wochen zur Verfügung. Für den Ansatz von Google spricht daher zu allererst die zeitliche Aktualität.

Denguefieber ist eine durch das Dengue-Virus ausgelöste tropische fieberhafte Erkrankung. Das Virus wird durch Aedes-Mücken übertragen. Auch in Südeuropa ist die Erkrankung beheimatet. Klassisch ist die Symptomtrias Fieber, Ausschlag und Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die komplizierte Verlaufsform, die v.a. bei Zweitinfektionen auftritt, wird als Dengue-Hämorrhagisches-Fieber bezeichnet.

Quellen / weiterführende Informationen:
- Google Denguefieber-Trends
- Chan et al. Using Web Search Query Data to Monitor Dengue Epidemics: A New Model for Neglected Tropical Disease Surveillance. PLoS Negl Trop Dis 5(5): e1206. doi:10.1371/journal.pntd.0001206
- Robert-Koch-Institut, Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten, 2011, S. 10 ff.

Verwandte Beiträge:
- Zunahme von eingeschlepptem Dengue-Fieber in Deutschland (23.10.2010)
- Internet-Suchmaschine als Mittel zur Pandemie-Überwachung (02.01.2010)
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

18.04.2012

Mutiertes Vogelgrippevirus darf publiziert werden - oder doch nicht?

B-Gefahren: Nachdem es zwei Arbeitsgruppen unabhängig voneinander gelungen war das H5N1-Vogelgrippevirus durch wenige Mutationen so zu verändern, dass es über die Luft übertragbar ist, hatten US-amerikanische Behörden die Veröffentlichung untersagt. Nun gibt es eine Kompromissvereinbarung, die eine Publikation in veränderter Form ermöglicht. Allerdings stellt sich jetzt die niederländische Regierung quer...

Neben dem Amerikaner Y. Kawaoka berichtete auch der niederländische Wissenschaftler Ron Fouchier aus Rotterdam, dass es nur einer handvoll Mutationen bedarf, um das bisher schlecht übertragbare H5N1-Influenzavirus zu einem unter Frettchen hoch ansteckenden Erreger zu machen. Die Übertagbarkeit zwischen Frettchen gilt als gutes Modell für die Ansteckungsrate beim Menschen.

Aus Sorge, die Ergebnisse könnten für bioterroristische Zwecke missbraucht werden, legte das US-Regierungsgremium National Science Advisory Board for Biosecurity (NSABB) Ende vergangenes Jahr Veto gegen die in den Zeitschriften Science und Nature geplante Veröffentlichung ein (siehe KatMedBevSchtz-Post vom 03.01.12). Nach Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation WHO und einer Aussprache aller Beteiligten, stimmte das NSABB Ende März der Publikation in entschärfterForm schlussendlich zu.

Ein neues Hinderniss für die Informationsfreiheit in der Wissenschaft hat Fouchier jedoch daran gehindert, seine Ergebnisse wie sein US-Kollege nach der NSABB-Erlaubnis öffentlich zu machen: Niederländische Export-Gesezte stünden dem bisher im Wege; es sei eine Erlaubnis der Regierung notwendig. Die Niederlande haben EU-Recht zur Ausfuhrkontrolle von sowohl friedlich als auch zerstörerisch nutzbaren Exportgütern umgesetzt. Ob die Forschungsarbeit von Fouchier hierunter fällt ist strittig. Vor der Freigabe steht nun ein Ausfuhrantrag des Wissenschaftlers und eine Prüfung durch die Regierung. Ausgang ungewiss...

Quellen / weiterführende Informationen:
- Meldung der Zeitschrift Nature vom 17.04.12 (englisch)
- Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 13.04.12

Verwandte Beiträge:
- Das gefährlichste Virus der Welt ...streng geheim?! (03.01.2012)
- deNIS-Themenspecial Vogelgrippe (11.03.2011)
- Alle Beiträge der Rubriken B-Gefahren, Forschung und Terrorismus

03.01.2012

Das gefährlichste Virus der Welt ...streng geheim?!

B-Gefahren: Wissenschafltern ist es gelungen, das Vogelgrippe-Virus H5N1 gentechnisch so zu verändern, dass es zwischen Säugetieren über die Luft übertragbar ist. Sollte dieser neue Virusstamm versehentlich oder absichtlich freigesetzt werden, ist mit Millionen Toten zu rechnen. Amerikanische Sicherheitsbehörden erwägen daher, die Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse zu verbieten.

Das ursprüngliche Influenza-H5N1-Virus hat für Menschen zwar eine hohe Sterblichkeit, ist aber außerhalb von Vogelpopulationen nur schwer übertragbar. Durch das gezielte Einbringen weniger genetischer Mutationen haben zwei Forschungsgruppen aus Rotterdamm (Niederlande) bzw. Wisconsin (U.S.) es nun geschafft, das Virus auch unter Frettchen hoch übertragbar zu machen, ohne dass es seine Letalität eingebüßt hat. Frettchen gelten als das Tiermodell, dass die Influenza-Wikrung am Menschen am besten nachbildet.

Die US-amerikanische Biosicherheitsbehörde US National Science Advisory Board for Biosecurity (NSABB) prüft nun, ob sie einen Bann auf die Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse verhängen will. Damit soll verhindert werden, dass Terrorismusorganisationen das mutierte H5N1-Virus nachbauen und als Bio-Waffe einsetzen.

Diese Nachrichten habe in der Wissenschaftswelt rege Diskussionen ausgelöst, zum einen darüber ob Experimente die die Erzeugung derart gefährlicher Viren zum Ziel haben überhaupt durchgeführt werden sollten, und zum anderen, ob es sinnvoll und vertretbat ist, die Ergebnisse der Forschung geheim zu halten. Letzteres würde vielleicht verhindern, dass "Schurkenstaaten" das Virus gezielt nachbauen, verhindert aber auch, dass die Wissenschaft das neue Virus weiter erforscht, um Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Die Geheimhaltung kann ohnehin nicht komplett gelingen, zumal Inhalte bereits auf einem Kongress präsentiert wurden und die geplanten Veröffentlichungen gerade bei den Zeitschriften Science und Nature zur Begutachtung eingereicht wurden.

Quellen / weiterführende Informationen:
- Meldung in Nature (englisch)
- Meldung in Science (englisch)

Verwandte Beiträge:
- Keine Übersterblichkeit durch pandemische Influenza (09.04.2011)
- deNIS-Themenspecial Vogelgrippe (11.03.2011)
- Alle Beiträge der Rubriken B-Gefahren, Forschung und Terrorismus

24.10.2011

Hygieneüberwachung auf Kreuzfahrtschiffen

B-Gefahren: In der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins gibt das Robert Koch-Institut einen Überblick über die Kontrolle ansteckender Erkrankungen im internationalen Schiffsverkehr.

Ansteckende Erkrankungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen sind gefürchtet. Sie können den Schiffsbetrieb empfindlich beeinträchtigen. Der Beitrag im Epidemiologischen Bulletin 42/2011 gibt einen Überblick über rechtliche Grundlagen und Strategien für die Sicherung der Hygiene und des Gesundheitsschutzes auf Kreuzfahrtschiffen und erläutert, wie die Einhaltung von Hygieneregeln im internationalen Schiffsverkehr überwacht wird.

Quellen / weiterführende Informationen:
- Epidemiologisches Bulletin 42/2011

Verwandte Beiträge:
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

19.08.2011

Warnung vor Terroranschlag mit Rizin in den USA

Terrorismus: Offizielle Stellen in den USA befürchten einen Terroranschlag mit dem extrem toxischen Pflanzengift Rizin. Der jemenitische Arm von Al-Qaida versuche demnach an Rizin zu kommen, um damit schutzige Bomben zu bestücken.

Samen der Rizinusstaude
(Quelle: Wikipedia)
Rizin wird aus den Samen der Rizinusstaude (Ricinus communis) gewonnen und hemmt die Proteinbiosynthese. Es ist ein Glykoprotein mit relativ geringer chemischer Stabilität, insbesondere bei Wärme und Trockenheit. Bereits die orale Aufnahme kleinster Mengen (entsprechend 2 -4 Samen) könnten beim Menschen tödlich sein. Noch gefährlicher ist das Gift, wenn es inhaliert oder direkt in die Blutbahn aufgenommen wird. An der Maus erhöht sich die Giftigkeit bei intravenöser Injektion um den Faktor 1000 im Vergleich zur oralen Aufnahme. Daher wird es den B- bzw. C-Waffen zugeordnet und unterliegt dem deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz.

Beim Verschlucken der Substanz treten mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen treten in erster Linie gastro-intestinale Symptome auf (Erbrechen, Durchfall, evtl. auch blutig), gefolgt von Multiorganversagen, Hämolyse und Tod. Nach Inhalation kommt es dagegen zu Atemnot, Husten, Lungenödem und nachfolgendem Multiorganversagen.

Angeblich möchte sich A-Qaida die besonders hohe inhalative und parenterale (bei direkter Aufnahme in die Blutbahn) Toxizität zu nutze machen, und Rizin mittels Sprengladungen in umschlossenen Räumen ausbringen. Anschlagsziele sollen v.a. in den USA liegen.

Quellen / weiterführende Informationen:
- Artikel in der New York Times vom 12.08.2011 zum Thema (engl.)
- Wikipedia: Rizin
- Datenblatt des schweizerischen Bundesamt für Bevölkerungsschutz
- Bioterror-Informationen zu Rizin des CDC (engl.)
- Recognition, Management and Surveillance of Ricin-Associated Illness (webcast, ca. 45 min), CDC (engl.)
- ProMed mail vom 16.08.2011 (engl.)

Verwandte Beiträge
- Bio-Spreossen vs. Bio-Terror (12.06.2011)
- Analytische Task-Force: Infos für Einsatzleiter (30.01.2011)
- HEIKAT - Handlungsempfehlungen bei Terrorverdacht (21.11.2010)
- Alle Artikel der Rubrik Terrorismus

28.07.2011

EHEC-Ausbruch für beendet erklärt

B-Gefahren: Das Robert Koch-Institut hat in einer Pressemitteilung vom 26.07.2011 den EHEC/HUS O104:H4-Ausbruch für beendet erklärt.

In den letzten Wochen wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) nur noch vereinzelt Erkrankungen an EHEC/HUS übermittelt, die durch den Ausbruch bedingt waren. Der letzte Erkrankungsbeginn, der dem Ausbruch zuzuordnen ist, wurde für den 4.7.2011 übermittelt und liegt damit drei Wochen zurück. Nachdem dem RKI nun seit diesem Zeitpunkt kein neuer Erkrankungsfall bekannt geworden ist, der mit dem Ausbruch in Zusammenhang steht, betrachtet das RKI den Ausbruch als beendet.

Die drei Wochen berücksichtigen die Inkubationszeit, die Zeit für die Diagnosestellung sowie die Zeit für die Übermittlung eines Falls. „Damit ist der größte EHEC-Ausbruch in Deutschland beendet“, so Reinhard Burger, Präsident des RKI. „Meine Anerkennung gilt den vielen Beteiligten, die zur Aufklärung des Geschehens beigetragen und bei der Versorgung der Patienten so großartige Arbeit geleistet haben“.

Quellen / weiterführende Informationen:
- RKI-Presseerklärung vom 26.07.
- EHEC-Informationsseite des RKI

Verwandte Beiträge:
- EHEC-Ausbruch aufgeklärt: Sprossen aus Ägypten sind Quelle (07.07.2011)
- Bio-Sprossen vs. Bio-Terror (12.06.2011)
- Gedanken zur EHEC-Quelle (29.05.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

07.07.2011

EHEC-Ausbruch aufgeklärt: Sprossen aus Ägypten sind Quelle

B-Gefahren: Die deutschen Gesundheitsbehörden haben sich festgelegt: Nach intensiver epidemiologischer Aufarbeitung des Ausbruchsgeschehens in Norddeutschland und Frankreich mit dem Coli-Bakterium O104:H4 sind mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Ägypten importierte Kleesprossen Quelle der Infektionen.

In einer gemeinsamen Presseerklärung von Robert-Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung und Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heißt es:

EHEC-Bakterien des Ausbruchsstammes O104:H4. Raster-Elektronenmikroskopie. Maßstab: 1 µm. Quelle: Holland, Laue (Robert Koch-Institut)
"Bestimmte Chargen von aus Ägypten stammenden Bockshornkleesamen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit für die EHEC O104:H4-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortlich. Grundlage für die Aufklärung waren epidemiologische Untersuchungen sowie die Rück- und Vorwärtsverfolgung von Samenlieferungen durch eine eigens dafür gegründete deutsche EHEC-Task Force" [1].

Und weiter:
"Das EHEC O104:H4-Ausbruchsgeschehen in Deutschland konnte aufgeklärt werden: Ursache sind mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen, die mit EHEC O104:H4 kontaminiert sind und aus denen in einem niedersächsischen Gartenbaubetrieb Sprossen hergestellt wurden. Der Verzehr dieser Sprossen hat dann zu den Erkrankungen geführt. Teilweise sind auch von Menschen übertragene Sekundärinfektionen aufgetreten" [1].

Der Ausbruch in Bezug auf das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) der bisher weltweit größte dokumentierte. Der Erkrankungsgipfel war um den 22.05.2011 zu verzeichnen, seither ist die Inzidenz rückläufig.

Die Behörden betonen, dass auch in Zukunft mit weiteren Ausbrüchen des aktuellen Stamms zu rechnen sei, und zwar durch direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung auf dem Wege einer Schmierinfektion, als auch über durch erkrankte Personen kontaminierte Lebensmittel.

Quellen / weiterführende Informationen:
[1] Presseerklärung des RKI vom 05.07.2011

Verwandte Beiträge:
- Bio-Sprossen vs. Bio-Terror (12.06.2011)
- Gedanken zur EHEC-Quelle (29.05.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

12.06.2011

Bio-Sprossen vs. Bio-Terror

Kommentar: Die Gesundheitsbehörden melden Vollzug: Die EHEC-Quelle sei identifiziert. Kontaminierte Sprossen im Müll einer erkrankten Familie seien der entscheidende Nachweis. Von einer stichhaltigen Beweiskette kann allerdings keine Rede sein.

Epidemiologische Untersuchungen belegen ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko für Personen die Sprossen verzehrt hatten. Ein Herstellungsbetrieb in Norddeutschland wurde stillgelegt, ohne dass jedoch ein einziger EHEC nachgewiesen wurde. So weit, so schwammig.

Als Beweis für die These, dass doch Sprossen die Infektionsquelle sind, wird eine bereits geöffnete Packung des erwähnten Bio-Erzeugers aus einer betroffenen Familie herangezogen, in der die Shiga-Toxin produzierenden Coli-Bakterien gefunden wurden. Kurz zuvor wurde der Fund von ebenfalls kontaminierten Gurkenresten im Müll bekannt, dem aber zu Recht keine Bedeutung beigemessen wurde. Hier wurde von einer Verschmutzung während der Zubereitung des Gemüses ausgegangen, bei den Sprossen ist die Interpretation aber eine ganz andere.

Der Drang die Bevölkerung zu beruhigen ist groß, das ist durchaus verständlich; nicht zuletzt um die hart getroffene Landwirtschaft nicht noch weiter in den Graben zu fahren, zumal es keinerlei Hinweise gibt, dass EHEC auf deutschen Feldern wächst.

Mich kann die rasche Entwarnung aber nicht vollends überzeugen. Dafür war die Suche nach der Infektionsquelle zu mühsam und zu viele Fragen bleiben offen. Ohne dass ich mich unter die Verschwörungstheoretiker mischen möchte, halte ich eine vorsätzlich menschengemachte Epidemie für immer noch denkbar. Wir Profis im Bevölkerungsschutz sollten uns nicht vorschnell einlullen lassen und aufmerksam bleiben. Lasst uns nachdenken ob wir unsere Vorbereitung auf das Auftreten eines neuerlichen EHEC-Ausbruchs nicht noch verbessern können.

Weiterführende Informationen:
- Homepage des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de
- SOP für den Umgang mit EHEC-Verdachtsfällen im Bayerischen Roten Kreuz

Verwandte Beiträge:
- Gedanken zur EHEC-Quelle (29.05.2011)
- Terrorverdächtige Aktivitäten melden (07.06.2010)
- Alle Artikel der Rubriken B-Gefahren und Terrorismus

29.05.2011

Gedanken zur EHEC-Quelle

B-Gefahren: Wie es zur Kontamination der spanischen Gurken mit dem EHEC-Erreger kam ist weiterhin rätselhaft. Ich frage mich, ob die offiziellen Stellen in Erwägung ziehen, dass es sich hierbei um einen bio-terroristischen Anschlag handeln könnte.

Weit hergeholt? Nach allem was wir wissen sicherlich. Aber analysieren wir den Ausbruch doch mal auf seine Eignung als Terrorakt: Man nehme eine Kultur von entero-hämorrhagischem E. coli (EHEC), kontaminiere damit einen LKW voll Gemüse, und ehe man es sich versieht hat man über 1.000 Infizierte und ein Gesundheitssystem, das stellenweise an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gedrängt wird. Der einzige "Nachteil" (aus terroristischer Sicht) ist die vergleichsweise geringe Letalität von ca. 1 % (bezogen auf die bekannt gewordenen Fälle).

Wenn das stimmt, warum hat sich dann bisher niemand öffentlich zu einem solchen Anschlag bekannt? Vielleicht, weil es sich nur um einen Testlauf vor einer größeren Aktion handelt...

Möglicherweise sollte überlegt werden, EHEC und seine gastroenteritischen Verwandten in die Liste der üblichen Bio-Terror-Verdächtigen aufzunehmen, und, wie man so schön sagt, in wirklich alle Richtungen zu ermitteln.

Weiterführende Informationen über EHEC:
- Internetseiten des Robert-Koch Instituts (www.rki.de, EHEC-Seiten)

Verwandte Beiträge:
- Forschungsförderung Lebensmittelsicherheit (30.04.2011)
- Terrorverdächtige Aktivitäten melden (07.06.2010)
- Alle Artikel der Rubriken B-Gefahren und Terrorismus

09.05.2011

Neues Bunyavirus verursacht schweres Fieber und Thrombopenie in China

B-Gefahren: Ein in China neu entdecktes Virus scheint für zahlreiche schwer verlaufende Erkrankungen mit Fieber und Thrombozytopenie (severe fever with thrombocytopenia syndrome, SFTS) verantwortlich zu sein. Die Letalität der identifizierten Fälle liegt bei etwa 12 %.

Die chinesischen Gesundheitsbehörden konnten bei 171 von 241 Patienten mit STFS ein bisher unbekanntes Phlebovirus aus der Familie der Bunyaviridae nachweisen. Ein ähnlichs Virus fand sich in Zecken aus der Umgebung der Erkrankten, so dass eine entsprechender Infektionsweg angenommen wird. Es gibt bisher keine Hinweise für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

Die Erkrankung befiel Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr und präsentiert sich mit akutem hohem Fieber, gastro-intestinalen Symptomen, Thrombo- und Leukozytopenie (erniedrigte Blutplättchen und weiße Blutkörperchen) und schließlich Multiorganversagen. Eine spezifische Therapie existiert nicht.

Es ist anzunehmen, dass das STFS-Virus bereits längere Zeit in Zentral- und Nordchina endemisch [Lexikon] ist, und erst jetzt aufgrund intensivierter epidemiologischer Überwachung ("surveillance") fieberhafter Erkrankungen entdeckt wurde.

Quellen / weitere Informationen:
- Fever with Thrombocytopenia Associated with a Novel Bunyavirus in China. N Engl J Med 2011; 364:1523-1532 (kostenfreier Volltext)

Verwandte Beiträge:
- Fachtagung zur Infektionsepidemiologie in Bielefeld, 12.-16.09.2011 (03.05.2011)
- Q-Fieber-Ausbruch in Hessen und NRW (26.02.2011)
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

03.05.2011

Fachtagung zur Infektionsepidemiologie in Bielefeld, 12.-16.09.11

B-Gefahren: Die Universität Bielefeld richtet im September zwei epidemiologische Fachtagungen aus. Vom 12. - 16. September findet die 13. International Summer School "Infectious Disease Epidemiology" statt, zeitgleich wird die 3. Summer School "Spatial Epidemiology in Megacities" abgehalten.

Die Sommerakademie Infektionsepidemiologie wird vom Institut für Innovationstransfer an der Universität Bielefeld GmbH (IIT) in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld veranstaltet. Das Angebot ist als Trainingskurs für Methodenwissen aus dem Bereich der Epidemiologie zu verstehen. Die Unterrichtssprache ist englisch.

Folgende Themen sind geplant:
- Modern epidemiological methods for infectious diseases
- Outbreak investigation and surveillance
- Mathematical modelling, Introduction to SPSS for data analysis and basic health statistics
- Health economical evaluations
- Vaccinations
- (Re-)emerging infections due to climate change and tuberculosis
- Antibiotic resistance and nosocomial infections
- STDs including HIV/AIDS and viral hepatitis B/C
- Pandemic influenza 2009/2010 A (H1/N1)

Quellen / weiterführende Informationen:
- Homepage Summer School IDE

Die Parallelveranstaltung "Spatial Epidemiology in Megacities: Statistical and Spatial Analysis of Health Under a Changing Climate" findet nach ähnlichem Muster statt. Die Inhalte:

After completing the course, our participants will be able:
- to understand the multidisciplinarity of health problems in megacities
- to reflect upon concepts of vulnerability and resilience in a theoretical and empirical sense
- to approach concepts of population projection, epidemiological and demographical transitions
- to apply statistical techniques (e.g. logistic regressions) which are commonly used in health sciences
- to apply geospatial techniques (e.g. spatial analyses and modelling) which are commonly used in geography
- to work more effectively in collaboration with other disciplines for investigating multidisciplinary problems to develop sustainable strategies for the improvement of living conditions in megacities

Quelle / weiterführende Informationen:
- Homepage Summer School Megacities

Verwandte Beiträge:
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Fachtagungen zur IT-Sicherheit (15.04.2011)
- Alle Beiträge der Rubriken B-Gefahren oder Aus- und Fortbildung

09.04.2011

Keine Übersterblichkeit durch pandemische Influenza 2009/10

B-Gefahren: Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat anhand statistischer Daten die influenzabedingte Üersterblichkeit für die Saison 2009/10 berechnet. Es zeigte sich, dass das Sterberisiko durch die Influenza-Pandemie nicht erhöht war.

Da die Angaben in der offiziellen Todesfallstatistik in Bezug auf influenzabedingte Sterbefälle nicht verlässlich sind, berechnet das RKI für jede Influenzasaison eine statistische Sterberate mit und ohne Influenza. Für den Winter der A/H1N1-Pandemie ergab diese Berechnung für Deutschland keine erhöhte Sterblichkeit durch das Virus. Die 252 gemeldeten Grippetodesfälle stehen dabei nicht im Widerspruch zu den rechnerischen Ergebnissen, welche solche kleinen Abweichungen nicht verlässlich erfassen können.

Zum Vergleich: Für die Saison 2008/09 ist von fast 24.000 zusätzlichen Todesfällen durch Influenza auszugehen. Im Jahr 1995/96 waren es sogar 31.000. Für die USA wurde geschätzt, dass durch H1N1 in 2009/10 7.500 bis 44.000 zusätzliche Todesfälle zu beklagen waren.

Verwandte Beiträge:
- RKI-Merkblatt Influenza überarbeitet (11.02.2011)
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

Quellen / weiterführende Informationen:
- Epidemiologisches Bulletin 10/2011

06.04.2011

Innovationspreis für Wasserrucksack PAUL

Naturkatastrophen: Kommt nach Katastrophen die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zum Erliegen drohen Infektionsausbrüche. An der Universität Kassel wurde eine tragbare, einfach bedienbare Filteranlage entwickelt, die nun mit dem Innovationspreis "Deutschland, Land der Ideen" prämiert wurde.

Seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti wird die Insel von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Die Ursache ist v.a. der Mangel an sauberem Trinkwasser. Prinzipiell ist eine Impfung gegen Cholera möglich, aber im Krisenfall logistisch schwierig. Auch hilft diese naturgemäß nicht gegen Shigellen, Amöben, Lamblien etc.

Der Wasserrucksack PAUL (Portable Aqua Unit for Livesaving) ist eine Entwicklung des Fachbereichs Siedlungswasserwirtschaft an der Universität Kassel und ermöglicht auf einfachste Weise die Entkeimung kontaminierten Wassers. PAUL hat einen Membranfilter (Lebensdauer ≈ 10 Jahre) mit ca. 10 m² Filterfläche. Bei der Porenweite von ≈ 40 Nanometer (0,04 μm) werden Bakterien und Parasiten weitestgehend herausgefiltert.

PAUL muss lediglich mit Wasser gefüllt werden und produziert dann ohne Wartung über Monate etwa 1200 l Trinkwasser pro Tag - genug für 200 Menschen. Der Wasserrucksack muss lediglich in einem täglichen bis wöchentlichen Turnus in einem simplen Vorgang ausgespült werden.

Schwachstellen hat PAUL lediglich bei der Filterung von Toxinen (Schwermetalle, Chemikalien etc.) und wohl auch bei Viren.

Die Entwickler von PAUL wurden daher mit dem Innovationspreis "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet. Die Preisverrleihung fand am 23. März 2011 statt.

Verwandte Beiträge:
- 2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- Haiti - ein Monat nach dem Erdbeben (15.02.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik Naturkatastrophen

Quellen / weitere Informationen:
- Fachbereich Siedlungswasserwirtschaft, Universität Kassel
- Land der Ideen: PAUL - trinkbares Wasser bei Katastrophen

23.03.2011

6. Europäische Impfwoche vom 23. bis 30. April 2011

B-Gefahren: Das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO veranstaltet vom 23. bis zum 30.4.2011 die 6. Europäische Impfwoche (EIW). Alle Akteure im Gesundheitswesen sind aufgerufen sich zu beteiligen.

Impfen stellt immer noch eine der wirksamsten und nebenwirkumsärmsten Art der Krankheitsverhütung dar. Doch offenbar ist unser Bedrohungsempfinden durch Infektionserkrankungen nicht (mehr) groß genug um die Möglichkeit der Impfung kollektiv in vollem Umfang zu nutzen. Dies zeigen nicht zuletzt die Probleme bei der Ausrottung von Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Masern.

Ein wichtiger Hinderungsgrund sind Bedenken über die Sicherheit der Impfung. Dabei gilt ein hoch positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für unsere modernen Impfstoffe als gesichert, auch wenn uns Kampagnen von Impfgegnern immer wieder anderes glauben machen wollen.

So hat sich beispielsweise eine Studie von Wakefield über den Zusammenhang des Masern-Mups-Röteln-Impfstoffs und Autismus die 1998 in der renommierten Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurde als unhaltbar herausgestellt und wurde zurückgezogen. Wakefield hatte offenbar Geld von Eltern betroffener Kinder erhalten, die gegen den Impfstoffhersteller klagten [Wikpedia].

Quellen / weiterführende Informationen:
- WHO Europa
- EIW campaing site

Verwandte Beiträge:
- Europäische Impfwoche 24. April bis 1. Mai 2010 (19.04.2010)
- Poliomyelitis-Ausbruch in Europa (14.05.2010)
- Masern-Ausbruch in Berlin (28.04.2010)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

11.03.2011

deNIS-Themenspecial Vogelgrippe

Nachricht: Das deutsche Notfallvorsorge-Infomationssystem hat ein Themenspecial zu Vogelgrippe / Geflügelpest / Influenza A/H5N1 publiziert.

DeNIS bietet im Themenspecial Vogelgrippe vom 02.03. eine umfangreiche link-Sammlung mit aktuellen Beiträgen z.B. zu:

- Falldefinition Influenza A/H5N1
- Sie fragen - die Bundesregierung antwortet
- Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet
- Landesbezogene Auskunft über die Geflügelpest
- Empfehlungen für Führungskräfte im Katastrophenschutz im Zusammenhang mit der Vogelgrippe (BBK)
- Vogelgrippe – Information für Einsatzkräfte – BBK
- Geeigneter Atemschutz vor luftübertragenen Infektionserregern – HVBG
- Beim Verdacht auf aviäre Influenza A/H5(N1)

Verwandte Beiträge:
- RKI-Merkblatt Influenza überarbeitet (11.02.2011)
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubriken B-Gefahren, deNIS und Nachricht

03.03.2011

Begriffe aus der Infektionsepidemiologie

Lexikon: Bei der Verbreitung von übertragbaren Krankheiten fallen immer wieder typische Begriffe, die für das Verständniss der Vorgänge wichtig sind. Hier möchte ich die Fachtermini Index-Fall, Ausbruch, Epidemie, Endemie und Pandemie erklären.

Index-Fall: Der Index-Fall ist der erste ermittelbare Patient am Anfang einer Infektionskette. Die Suche nach dem Index-Patienten ist eine wichtige Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes um Ausbreitungswege, Erregerreservoire und weitere Kontaktpersonen identifizieren zu können.

Ausbruch: Das Auftreten von mehr Fällen einer Erkrankung als erwartet, also mindestens zwei in engem zeitlichen oder kausalem Zusammenhang stehende Erkrankungsfälle, gegebenenfalls als Vorstufe zur Epidemie. Beispiel: Nach einem Sommerfest erkranken sieben von 20 Besuchern an Brechdurchfall.

Epidemie: Ein gehäuftes, örtlich und zeitlich begrenztes Infektionsgeschehen beim Menschen. Beispiel: Zeitlich begrenzte Verbreitung des Chikungunya-Virus durch Mücken nach Einschleppung aus den Tropen.

Endemie: Das gehäufte, zeitlich unbegrenzte Auftreten einer menschlichen (Infektions-) Erkrankung in einem bestimmten Gebiet oder auch weltweit. Endemien laufen relativ stabil und vorhersagbar ab. Beispiel: Über die Jahre wiederkehrende Häufung von durch Zecken übertragener Borreliose in bestimmten Risikogebieten entlang von Flussläufen.

Pandemie: Ein sich ausbreitendes menschliches Infektionsgeschehen, dass zeitlich, aber nicht regional begrenzt ist. Beispiel: Die transkontinentale Verbreitung eines neu aufgetretenen Influenzastamms. Etabliert sich das Virus im Verlauf in der Bevölkerung oder tritt es als jährliche Grippewelle wiederkehrend auf bezeichnet man dies als Endemie.


Tabelle: Infektionsepidemiologische Begriffe
Örtlich begrenzt Örtlich nicht begrenzt
Zeitlich begrenzt Epidemie Pandemie
Zeitlich nicht begrenzt Endemie Endemie

Unter Tierbeständen spricht man von Epizootie, Enzootie und Panzootie.

Verwandte Beiträge:
- Q-Fieber-Ausbruch in Hessen und NRW (26.02.2011)
- Internet-Suchmaschine als Mittel zur Pandemie-Überwachung (02.01.2010)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren oder Lexikon

26.02.2011

Q-Fieber-Ausbruch in Hessen und NRW

B-Gefahren: In Hessen und Nordrhein-Westfalen sind etwa 40 Fälle von Q-Fieber aufgetreten. Ausgangspunkt für die bakterielle Infektion sind Schafherden, vornehmlich in den Gegenden von Arnsberg (Hochsauerlandkreis) und Waldeck-Frankenberg.

Q-Fieber wurd durch das gram-negative Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst, welches in Paarhufern auftritt und durch direkten Kontakt, Staub oder Blutsauger auf den Menschen übertragen werden kann. Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist unwahrscheinlich.

Ca. 50 % aller Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit milden grippeähnlichen Symptomen und heilen spontan in 1 bis 2 Wochen aus. Die akute Infektion beginnt meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und ausgeprägten Stirnkopfschmerzen. Im weiteren Verlauf kann eine interstitielle Pneumonie oder eine Hepatitis auftreten. Bei Schwangeren kann es zu Aborten oder Frühgeburten kommen. Etwa 1 % der Erkrankungen verläuft chronisch. Die Infektion kann mit dem Antibiotikum Doxycylin oder weiteren Chemotherapeutika behandelt werden.

Zur Eindämmung des Ausbruchs ist eine Isolierung und Impfung der gefährdeten Schafherden vorgesehen, für den Impfstoff muss in Deutschland jedoch erst eine Notfall-Zulassung beantragt werden.

Der letzte größere Ausbruch mit ca. 330 Fällen fand 2005 in Jena statt.

Quellen / weitere Informationen:
- ProMed mail vom 23.02. und 25.02.11
- Merkblatt Q-Fieber des RKI

Ähnlich Beiträge:
- Zunahme von eingeschlepptem Dengue-Fieber in Deutschland (25.10.2010)
- Hanta-Virus in Deutschland auf dem Vormarsch (24.08.2010)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren

23.02.2011

Versorgungssicherheit mit Blutprodukten

Kritische Infrastruktur: Bei ausgedehnten Ausbrüchen von Infektionskrankheiten oder Pandemien ist die Versorgung der Bevölkerung mit Blutprodukten gefährdet. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über Maßnahmen zur Sicherstellung der Blutversorgung in der Pandemie-Situation.

Falls weite Teile der Bevölkerung erkranken kann eine Versorgung mit Blutprodukten im gewohnten Maße u.U. nicht aufrechterhalten werden da 1. potentielle Spender erkrankt sind oder 2. erkrankte Angehörige pflegen müssen oder 3. Angst vor Ansteckung im Rahmen der Blutspende haben oder 4. durch Erkrankung der Mitarbeiter der Blutversorgungsinfrastruktur (Ärzte, Punktionspersonal, Labor, Fahrer etc.) eine normale Bearbeitung und Auslieferung unmöglich wird.

Um diesem Risiko entgegen zu wirken gibt es eine ganze Reihe von Planungen für den Pandemiefall. In einem Votum des Arbeitskreises Blut des Bundesgesundheitsministerium sind 8 Maßnahmen beschlossen worden (Bundesgesundheitsblatt 2010), die da sind:

- Erstellung von Pandemieplänen in Blutspendeeinrichtungen und Einrichtungen der Krankenversorgung.
- Öffentlichkeitsarbeit zur erfolgreichen Rekrutierung von Blutspendern während der Pandemie.
- Organisatorische Maßnahmen der Blutspendeeinrichtungen zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit.
- Impfung des für die Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen unverzichtbaren Personals.
- Organisatorische und Hygiene-Maßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung von Infektionen bei den Spendeterminen.
- Information spendewilliger Personen über diese Hygiene-Maßnahmen zur Reduzierung der Angst vor Ansteckung bei einem Spendetermin.
- Organisatorische Maßnahmen für die Kooperation der Blutspendeeinrichtungen.
- Organisatorische Maßnahmen in den Einrichtungen der Krankenversorgung zur Verringerung des Verbrauchs von Blutkomponenten.

Letzteres beinhaltet u.a. die Information des Krankenhauspersonals, die Absetzung elektiver Operationen mit hoher Transfusionswahrscheinlichkeit und die strenge Indikationsstellung zur Transfusion. Für diese Maßnahmen sind die jeweiligen Transfusionsbeauftragten und -verantwortlichen zuständig.

Auch die Spendergewinnung soll erleichtert werden, indem die Auswahlkriterien für Spender in Bezug auf Alter, Gesundheitszustand und Hb-Konzentration angepasst werden (Blutspende-Pandemie-Verordnung).

Kommentar:
Das Bedauerliche an diesen Planungen ist die spezifische Ausrichtung auf eine Influenza-Pandemie. Insbesondere die Blutspende-Pandemie-Verordnung legt sogar den exakten Virussubtyp (A/H1N1) als Geltungskriterium fest. Doch was wenn plötzlich die aviäre Influenza (Vogelgrippe / H5N1) oder eine Freisetzung des Pockenvirus auftritt? Gibt es dann einen neuen, abweichenden Plan? Das schafft letztlich nur Unsicherheit. Angemessener wäre eine dem All-hazards-Ansatz [KatMedBevSchtz-Lexikon] entsprechende, allgemeinere Planung für B-Lagen gewesen, bei der nicht für jede Siutation das Rad neu erfunden werden muss.

Verwandte Artikel:
- RKI-Merkblatt Influenza überarbeitet (11.02.2011)
- Neuauflage Handbuch betriebliche Pandemieplanung (18.01.2011)
- Alle Artikel der Rubriken kritische Infrastruktur oder B-Gefahren

Quellen / weiterführende Literatur:
- Arbeitskreis Blut des Bundesministeriums für Gesundheit. Aufrechterhaltung der Blutversorgung bei einer Influenza-Pandemie. Bundesgesundheitsblatt 2010 (53) 84. Online erhältlich auf den Seiten des RKI.
- Blutsprende-Pandemie-Verordnung. Bundesgesetzblatt 2009 (80) 3946.
- Arbeitskreis Blut. Aufrechterhaltung der Versorgung mit Blutprodukten im Falle einer Influenza-Pandemie. Bundesgesundheitsblatt 2009 (52) 1210 - 1222. Online erhältlich auf den Seiten des RKI.
- Biscoping J. Strategien des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit für Pandemien und Versorgungsengpässe mit Blutkonserven. Anästhesiologie & Intensivmedizin 2011 (52) 102 - 105.

11.02.2011

RKI-Merkblatt Influenza überarbeitet

B-Gefahren: Das Robert Koch Institut (RKI) hat seinen aktualisierten Ratgeber zur Influenza veröffentlicht. Es gibt einen profunden Überblick über Grundlagen, Epidemiologie, Klinik und Therapie der Grippe, einschließlich der Vogelgrippe.

Das RKI gibt Merkblätter zu allen gängigen Infektionskrankheiten heraus um Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen im Bedarfsfall einen raschen, gezielten Überblick über übertragbare Erkrankungen geben zu können.

Ende Januar 2011 wurde nun eine aktualisierte Version des Influenza-Ratgebers veröffentlicht, in den insbesondere neue Erkenntnisse zur Influenza A/H1N1 (Schweinegrippe) eingeflossen sind.

Das Merkblatt kann auf den Seiten des RKI heruntergeladen werden.

Verwandte Beiträge:
- Häufung schwerer H1N1-Grippe in England (26.12.2010)
- Hygiene-Empfehlungen bei Influenza (27.08.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik B-Gefahren