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23.07.2011

Naturkatastrophen-Rekordjahr 2011

Naturkatastrophen: Eine ungewöhnliche Häufung schwerster Naturkatastrophen macht 2011 bereits nach Ablauf der ersten Hälfte zum schadenträchtigsten Jahr aller Zeiten. Die wirtschaftlichen Schäden von rund 265 Mrd. US$ bis Ende Juni übertreffen bereits die Summe des bisher teuersten Jahres 2005 (220 Mrd. US$ im Gesamtjahr) bei weitem. Das berichtet die Münchner Rückversicherung in einer Pressemeldung.

Kaum ein Jahr vergeht, in dem die Münchner Rück nicht neue Negativ-Rekordmeldungen aus dem Bereich Naturkatastrophen herausbringt: 2005 und 2008 gleichauf die bisher größten Schäden, 2010 so viele Tote wie noch nie und gleichzeitig das bisher wärmste Jahr. Neu ist, dass in 2011 der Rekord bereits nach einem halben Jahr aufgestellt ist.

Den größten Teil zu den Schäden trug das Erdbeben in Japan vom 11. März mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Mrd. US$ bei. Das mit einer Magnitude von 9,0 stärkste je in Japan registrierte Beben ist damit auch die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten – noch teurer als Hurrikan Katrina im Jahr 2005 mit wirtschaftlichen Schäden in Höhe von damals 125 Mrd. US$. Danach folgen in der Schadensreihenfolge das Erdbeben in Neuseeland vom Februar, die Unwetter in den USA vom April, die Überschwemmungen in Australien im Dezember 2010/ Januar 2011 und wieder die USA mit den Tornados im Mai.

Was die Zahl der Todesopfer betrifft liegen die ersten sechs Monate 2011 mit 19.380 glücklicherweise unter dem Durchschnitt von 52.900 (10-Jahresdurchschnitt für das erste Halbjahr). Den traurigen Rekord hält in diesem Zusammenhang das vergangene Jahr 2010 mit 230.300 Naturkatastrophen-Toten, geprägt durch das Erdbeben in Haiti.

Quellen / weiterführende Informationen:
- Presseerklärung der Münchner Rück vom 12.07.2011
- Weltkarte der Naturkatastrophen Jan - Jun 2011

Verwandte Artikel:
- 2010 - ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- 2010 wärmstes Jahr der Geschichte (24.01.2011)
- Alle Beiträge der Rubrik Naturkatastrophen

06.05.2011

Evidence Aid - Wissen was wirklich hilft

Forschung: Im Evidence Aid Project (zu deutsch etwa: Projekt wissenschaftlich belegte Hilfe) stellt die Cochrane Collaboration Übersichten über gesichertes medizinisches Wissen für spezielle Situationen rund um Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe zur Verfügung.

Gut gemeint ist nicht automatisch gut wirksam. Gerade wenn Ressourcen knapp sind und die Zeit drängt sollte jeder Euro und jede Arbeitsstunde aber bestmöglich investiert sein. Welche Interventionen nach Natur- oder sonstigen Katastrophen tatsächlich geeignet sind, Leben zu retten und Leid abzuwenden, versucht die Cochrane Collaboration im Evidence Aid Project zu beantworten.

Auf der Projekt-Homepage gibt die Organisation zu aktuellen Unglücksszenarien von internationaler Bedeutung einen Überblick über die medizinisch-wissenschaftliche Studienlage. Die Inhalte können Regierungsstellen und Hilfsorganisationen bei der Planung ihrer Katastrophenhilfe unterstützen.

Auf der Liste stehen Übersichten zu (alle Inhalte auf Englisch):
- Posttraumatischer Belastungsstörung [KatMedBevSchtz-Lexikon]
- Erdbeben- / Tsunami-Katastrophe in Japan
- Allgemeine Erdbeben-Ressourcen
- Tranexamsäure und Trauma [s.a. KatMedBevSchtz-Blog vom 18.04.2011]
- Überschwemmungen und Trinkwasserhygiene
- Behandlung von Verbrennungen

Quelle / weiterführende Informationen:
- The Evidence Aid Project

Verwandte Beiträge:
- Tranexamsäure rettet blutende Traumapatienten (18.04.2011)
- Innovationspreis für Wasserrucksack PAUL (06.04.2011)
- Gibt es einen PTSD-Rezeptor? (18.03.2011)
- Alle Beiträge der Rubrik Forschung

30.04.2011

Forschungsförderung Lebensmittelsicherheit

Forschung: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat ein Förderprogramm zum Thema "Sicherung der Lebensmittel und Lebensmittel-warenketten" im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" bekannt gegeben.

Diese Bekanntmachung ist im Zusammenhang mit dem "Aktionsplan Verbraucherschutz in der Futtermittelkette" und den "Strategien der Lebensmittelsicherheit" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, mit dem Masterplan "Güterverkehr und Logistik" der Bundesregierung und der "Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030"des BMBF zu sehen.

Gefördert werden Verbundprojekte, die innovative Lösungen für die Sicherheit der Lebensmittel und Lebensmittelwarenketten erforschen und entwickeln, um damit den Schutz der Gesellschaft vor Bedrohungen, die durch Terrorismus, organisierte Kriminalität, Naturkatastrophen, technische Großunfälle u. a. ausgelöst werden, zu verbessern. Die Projekte müssen über den aktuellen Stand der Forschung hinausgehen. Ausgangspunkt soll eine existierende oder sich künftig abzeichnende Bedrohungslage unter Berücksichtigung der Ausfallrisiken und unter Einbeziehung möglicher Folgeeffekte sein, wie z. B. Versorgungsengpässe in Folge des Ausfalls von Produktionsprozessen oder die Ausbreitung von Krankheiten nach der Infektion der Bevölkerung mit einem Krankheitserreger.

Zu berücksichtigen sind bei den Projektvorschlägen die Aspekte der Prävention, Früherkennung, Reaktion und Schadensbegrenzung. In die Betrachtungen sollen Technologien und Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Lebensmitteln und ihrer Ausgangsstoffe ebenso einbezogen werden wie Konzepte zur Sicherung der Lebensmittelwarenkette von der Produktion bis hin zum Verbraucher.

Deadline: 30.06.2011 (ohne Gewähr)

Quellen / weiterführende Informationen:
- Bekanntmachung des BMBF vom 14.04.2011
- Forschung für die zivile Sicherheit

Verwandte Beiträge:
- Förderung für deutsch-israelische Forschungsprojekte (02.04.2011)
- Innovationspreis für Wasserrucksack PAUL (06.04.2011)
- Alle Artikel der Rubrik Forschung

24.04.2011

Osterwetter bringt hohe Waldbrandgefahr

Naturkatastrophen: Das sonnige Osterwetter lässt die Waldbrandgefahr bundesweit in die höchsten Gefahrenkategorien steigen.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht in den Sommermonaten eine täglich aktualisierte Lagedarstellung zur Waldbrandgefahr sowie Prognosen für die kommenden Tage, basierend auf dem sog. Waldbrandgefahrenindex M-68. Für die Landkreise der einzelnen Bundesländer werden die jeweiligen Werte tabellarisch angeboten.

Quelle / weiterführende Informationen:
- DWD Waldbrandgefahrenindex

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat in einer aktuellen Meldung Verhaltenstipps bei Waldbrandgefahr zusammengestellt:
- BBK-Meldung vom 21.04.2011

Verwandte Beiträge:
- 2010 wärmstes Jahr der Geschichte (24.01.2011)
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06.04.2011

Innovationspreis für Wasserrucksack PAUL

Naturkatastrophen: Kommt nach Katastrophen die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zum Erliegen drohen Infektionsausbrüche. An der Universität Kassel wurde eine tragbare, einfach bedienbare Filteranlage entwickelt, die nun mit dem Innovationspreis "Deutschland, Land der Ideen" prämiert wurde.

Seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti wird die Insel von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Die Ursache ist v.a. der Mangel an sauberem Trinkwasser. Prinzipiell ist eine Impfung gegen Cholera möglich, aber im Krisenfall logistisch schwierig. Auch hilft diese naturgemäß nicht gegen Shigellen, Amöben, Lamblien etc.

Der Wasserrucksack PAUL (Portable Aqua Unit for Livesaving) ist eine Entwicklung des Fachbereichs Siedlungswasserwirtschaft an der Universität Kassel und ermöglicht auf einfachste Weise die Entkeimung kontaminierten Wassers. PAUL hat einen Membranfilter (Lebensdauer ≈ 10 Jahre) mit ca. 10 m² Filterfläche. Bei der Porenweite von ≈ 40 Nanometer (0,04 μm) werden Bakterien und Parasiten weitestgehend herausgefiltert.

PAUL muss lediglich mit Wasser gefüllt werden und produziert dann ohne Wartung über Monate etwa 1200 l Trinkwasser pro Tag - genug für 200 Menschen. Der Wasserrucksack muss lediglich in einem täglichen bis wöchentlichen Turnus in einem simplen Vorgang ausgespült werden.

Schwachstellen hat PAUL lediglich bei der Filterung von Toxinen (Schwermetalle, Chemikalien etc.) und wohl auch bei Viren.

Die Entwickler von PAUL wurden daher mit dem Innovationspreis "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet. Die Preisverrleihung fand am 23. März 2011 statt.

Verwandte Beiträge:
- 2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- Haiti - ein Monat nach dem Erdbeben (15.02.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik Naturkatastrophen

Quellen / weitere Informationen:
- Fachbereich Siedlungswasserwirtschaft, Universität Kassel
- Land der Ideen: PAUL - trinkbares Wasser bei Katastrophen

04.04.2011

Neues Wissenschaftsblatt zm Klimawandel: Nature Climate Change

Nachricht: Der Wissenschaftsverlag Nature Publishing Group hat eine neue Zeitschrift aufgelegt die sich speziell mit Themen rund um den Klimawandel beschäftigen wird: Nature Climate Change.

Nature Publishing Group mit Sitz im London gibt unter anderem die Zeitschrift Nature heraus, eine der renommiertesten wissenschaftlichen Journale weltweit.

Die erste Ausgabe von Nature Climate Change ist frei zugänglich und behandelt u.a. folgende Themen:

News and Views:
- Atmospheric science: Seeing through contrails
- Psychology: Climate change hits home
- Agriculture: Weather dilemma for African maize
- Ecology: The secret of success
- Atmospheric science: Tug of war on the jet stream
- Policy: Changing the rules
- Biology: Uncertain future for ocean algae
- The role of social and decision sciences in communicating uncertain climate risks

Letters:
- Nonlinear heat effects on African maize as evidenced by historical yield trials
- Perceptions of climate change and willingness to save energy related to flood experience
- Vascular plant success in a warming Antarctic may be due to efficient nitrogen acquisition

Articles:
- Global radiative forcing from contrail cirrus
- Climate, health, agricultural and economic impacts of tighter vehicle-emission standards

Quellen / weitere Informationen:
Homepage Nature Climate Change

Verwandte Beiträge:
- 2010 wärmstes Jahr der Geschichte (24.01.2011)
- Alle Artikel der Rubriken Naturkatastrophen und Forschung

12.03.2011

Hintergrundinfos zur Erdbebenkatastrophe in Japan

Naturkatastrophen: Im Zusammenhang mit der Erdbebenkatastrophe in Japan und seinen Folgen möchte ich ein paar allgemeine Hintergrundinformationen bereitstellen: Natech-Unfälle, Flutwellenkatastrophen und Infektionserkrankungen, USAR.

In Japan droht ein Super-GAU in diversen Kernkraftwerken nach erdbebenbedingtem Stromausfall. Solche technische Katastrophen die durch Naturkatastrophen ausgelöst werden bezeichnet man als Natech-Unfälle (Natural hazard triggering technological disasters, also durch Naturgefahren ausgelöste technische Katastrophen). Mehr zum Thema Natech-Unfälle findet sich im KatMedBevSchtz-Lexikon und im Magazin Bevölkerungsschutz 04/2008, S. 28ff.

Nachtrag vom 13.03.: Umfangreiche, aktuelle Informationen rund um die kerntechnische Krisensituation in Japan finden sich auf den Seiten des Bundesumweltministeriums (www.bmu.de).

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schätzt in einer aktuellen Meldung vom 12.03. die Lage derart ein, dass auch in Deutschland mit messbar erhöhter Radioaktivität zu rechnen ist, allerdings nur im bruchteilsbereich der natürlichen Strahlung, so dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Gesundheitsgefährdung zu befürchten ist. Daneben werden Kontakttelefonnummern der deutschen Botschaft in Tokyo und des Krisenstabs im Auswärtigen Amt und Internetadressen für weitere Informationen bekannt gegeben.

Nachtrag vom 14.03.: Weitere täglich aktualisierte Informationen sind über MIC Daily zu beziehen, dem täglichen Katastrophen-Lagebericht der EU.

Flutwellenkatastrophen und Infektionserkrankungen (RKI): Eine kurze Zusammenstellung reisemedizinischer Aspekte rund um Tsunami-Gebiete, zusammen mit einer Reihe nützlicher Links.

USAR - Urban Search and Rescue (Lexikon): In einem Lexikon-Beitrag USAR erklärt der KatMedBevSchtz-Blog was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Verwandte Beiträge:
- 2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- Katastrophenwiederaufbau: Die Armen verlieren, die Volkswirtschaft gewinnt? (05.09.2010)
- Alle Artikel der Rubriken A-Gefahren oder Naturkatastrophen

Natech-Unfälle

Lexikon: Natech-Unfälle sind technische Havarien die durch Naturgefahren ausgelöst werden.

Natech steht für natural hazard triggering technological disasters, also durch Naturgefahren ausgelöste technische Katastrophen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Kettenreaktionen ist natürlich geringer als die der einzelnen Ereignisse, das Gefahrenpotenzial - nicht zuletzt aufgrund ohnehin ausgelasteter Gefahrenabwehrpotenziale - aber überproportional hoch. Deshalb sollten Natech-Unfälle bei der Notfallplanung entsprechend gewürdigt werden.

Beispiele:
Im August 1999 löste ein Erdbeben in der Türkei einen 4 Tage dauernden Großbrand im Tanklager einer Raffinierie aus. Da dieser auf eine Düngemittelfabrik überzugreifen drohte mussten großräumige Evakuierungen durchgeführt werden.
Sommer 2002: Durch das Elbehochwasser kam es zum Austritt von 80 t giftigem Chlor.
März 2011: Ein Erdbeben im Norden Japans führte zu Stromausfall in mehreren Kernkraftwerken so dass deren Kühlsysteme dadurch versagten. Es kam vermutlich zur Kernschmelze und zum Austritt von Radioaktivität.

Mehr zum Thema Natech-Unfälle findet sich im Magazin Bevölkerungsschutz 04/2008, S. 28ff.

Verwandte Beiträge:
- Hintergrundinfos zur Erdbebenkatastrophe in Japan (12.03.2011)
- Bisher keine erhöhte Radioaktivität durch russische Waldbrände (20.08.2010)
- Alle Artikel der Rubriken Lexikon oder Naturkatastrophen

03.02.2011

Analyse der Winter-Verkehrsprobleme

Kritische Infrastruktur: Bundesverkehrsminister Ramsauer legte Mitte Januar eine erste Analyse der Verkehrsbeeinträchtigungen durch die strengen winterlichen Verhältnisse im Dezember vor. In dem 26 Seiten starken Dokument geht er auf die Situation auf Straßen, Schienen, Schifffahrtswegen und im Luftverkehr ein und berichtet über bereits ergriffene und geplante Maßnahmen zur Verbesserung.

RamsauerEs gäbe keine Vollkasko gegen winterliche Verkehrsbehinderungen, das Wetter dürfe aber auch keine Ausrede für vermeidbare Verkehrsstörungen sein, so das Fazit von Ramsauer. Er berichtet über die wichtigsten Verkehrsstörungen und -behinderungen sowie über die Maßnahmen, die zur Vorsorge und zur Behebung akuter Störungen ergriffen worden sind. Der berechtigten Frage, wie es trotz dieser Maßnahmen zu den vielfältigen Behinderungen und Ausfällen kommen konnte, wird soweit nachgegangen, wie dies nach jetzigem Kenntnisstand möglich ist:

Straßenverkehr:
Die Streusalzbevorratung ist vielerorts noch zu knapp bemessen, Abhilfe soll durch zusätzliche Bereitstellung von Lagerkapazität oder Erweiterung und Sanierung schon bestehender Möglichkeiten. Die Möglichkeit einer Salzversorgung aus Südamerika wird aktuell geprüft um Lieferengpässen zu begegnen.
Durch die neu geregelte Winterreifenpflicht sollen Verkehrsbehinderungen vermieden werden. Dass diese bei LKWs nur für die Antriebsachse gilt wird damit begründet, dass LKW-Reifen einen höheren Naturkautschukanteil hätten und somit griffiger sind als PKW-Reifen [was viele LKWs aber nach wie vor nicht davon abgehalten hat sich quer zu stellen und ganze Autobahnabschnitte zu blockieren, Anm. d. Autors].

Eisenbahn:
Die Bahn konnte bei den winterlichen Verhältnissen ihren Service nur mit einer hohen Rate an Unpünktlichkeit erbringen [wobei die Zustände erheblich schlimmer waren als der Bericht suggeriert, da in diesem die Mittelwerte für den kompletten Dezember angegeben sind. Zu Spitzenzeiten waren offenbar nur 20% der Züge pünktlich. Anm. d. Autors]. Grund sind einerseits technische Mängel und fehlende Züge, andererseits auch ein deutlich erhöhtes Fahrgastaufkommen durch Behinderungen im Luft- und Straßenverkehr. Es besteht ein erheblicher Investitionsbedarf um die Situation zu verbessern, der wohl nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann.
Besonderes Augenmerk wird auch auf die Berliner S-Bahn gelegt, die wegen technischer Mängel an ihren Zügen häufig nur einen Notfahrplan aufrechterhalten konnte.
Ein ganzes Paket an organisatorischen Maßnahmen zur Verbesserung wird vorgestellt.

Schiffsverkehr:
Durch Eisbildung war sowohl die See- als auch die Binnenschifffahrt behindert, jedoch nicht mehr als üblich. Dem wurde durch den verstärkten Einsatz von Eisbrechern begegnet.

Luftverkehr:
Im Luftverkehr kam es zu Verspätungen und Flugausfällen durch die Vereisung von Flugzeugen und Bewegungsflächen auf den Flughäfen, wobei zehn Tage der ersten Winterhälfte als besonders kritisch einzustufen sind. Die Flughäfen hatten sich jedoch gut auf die winterlichen Verhältnisse vorbereitet. In Einzelfällen kam es zu Nachschubschwierigkeiten bei Enteisungsmitteln, u.a. bedingt durch witterungsbedingte LKW-Fahrverbote, die jedoch dann vom Verkehrsministerium aufgehoben wurden. Die Flughäfen Frankfurt und München wurden durch Wetterberater des Deutschen Wetterdienstes vor Ort unterstützt.

Ähnliche Artikel:
- Wetteranfälligkeit der Bahn (15.01.2011)
- Informationen zur Vulkanaschewolke (21.04.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik Kritische Infrastruktur

Quellen:
Bericht "Verkehr in Deutschland im Winter 2010/2011" des Bundesminsiteriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
BMVBS website
Pressemeldung des Bundestags
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Foto: BMVBS/Fotograf: Frank Ossenbrink

27.01.2011

Erster Einsatz für einen Fachberater Hochwasserschutz in Bayern

Wassergefahren: Beim Hochwasser der Naab in der Oberpfalz kam erstmals seit Einführung ein Fachberater Hochwasserschutz zum Einsatz. Er unterstützte den Krisenstab für den südlichen Landkreis Schwandorf.


Durch die plötzlich einsetzende Schneeschmelze stieg der Donauzufluss Naab bis auf das Niveau eines 50jährigen Hochwassers an. An einzelnen Pegeln wurden bisher nicht dagewesene Wasserstände gemessen. Es kam zur großfächigen Überflutung von bewohntem Gebiet; teilweise waren Siedlungen von der Außenwelt abgeschnitten.

Zur Unterstützung des Krisenstabs für den südlichen Landkreis Schwandorf kam erstmals seit der Einführung dieser Qualifikation in Bayern ein Fachberater Hochwasserschutz zum Einsatz. Vorabgespräche zwischen Fachberater Philipp Wolf von der Kreiswasserwacht Schwandorf, Kreisbrandinspektor Thomas Schmidt und Kreisbrandmeister Markus Dechant über die Meldungen des Hochwassernachrichtendienstes Bayern (HND) führten zur Einberufung des Krisenstabs. Die Hauptaufgabe des Fachberaters bestand darin, die Prognosen des HND zu interpretieren und bei der Erstellung der Lagekarten, insbesondere der überfluteten Flächen zu helfen. Desweiteren übernahm er beratende Funktion bei Fragen der Sicherheit der Einsatzkräfte: so war beispielsweise zu klären ob Hilfskräfte mit Waathosen in überschwemmte Strassen zu geschickt werden konnten oder ob hier spezielle Einsatzkräfte wie der "Wasserretter" der Wasserwacht eingesetzt werden müssen.

Ebenso konnten wertvolle Tipps beim Sandsackverbau an Türen und Fenstern gegeben werden. Bei einer geplanten Errichtung eines "Sandsackdammes" zum Schutz einer Strasse war ebenfalls eine Lageeinschätzung des Hochwasserschutzberaters gefragt. Eine weitere Aufgabe war die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Hilfsorganisationen einzuschätzen und dem Einsatzleiter darzulegen, sowie mit dem Krisenstab zusammen die Abwehrmaßnahmen zu planen.

Mit Spannung wird unterdessen die noch ausstehende offizielle Funktionsbeschreibung für den Fachberater Hochwasserschutz erwartet, die sich noch in der Feinabstimmung der öffentlichen Stellen befindet.

Ähnliche Artikel:
- Wasserwacht bildet Fachberater Hochwasserschutz aus (02.04.10)
- Vorsorgemaßnahmen bei Hochwasser (08.01.11)
- Alle Artikel der Rubrik Wassergefahren

Mehr Infos zum Fachberater Hochwasserschutz:
Universität der Bundeswehr, München

(Fotos vom 15.01.11 aus dem Bereich des Fronberger Wehrs in Schwandorf, M. Dittmar)

24.01.2011

2010 wärmstes Jahr der Geschichte

Naturkatastrophen: Das vergangene Jahr 2010 ist nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) das wärmste der Geschichte. Die Durchschnittstemperaturen lagen um 0,53°C über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Der diesjährige strenge Winter darf nicht über das Fortschreiten der Klimaerwärmung hinwegtäuschen.

Nach den Beobachtungen der WMO liegen die Temperaturen von 2010 noch unsignifikant über denen der Rekordjahre 1998 und 2005. Damit waren die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen allesamt seit 1998 zu verzeichnen. Gleichzeitig war die arktische Eisdecke laut WMO in 2010 so gering wie in keinem Jahr zuvor.

Die WMO ist eine Argentur der Vereinten Nationen mit dem Auftrag Status und Entwicklung des Klimas sowie dessen Einfluss auf den Wasserhaushalt der Erde zu untersuchen und zu dokumentieren.

Auch strenge Winter in Europa können also nicht darüber hinwegtäuschen, dass die globale Erwärmung anhält.

Ähnliche Artikel:
- 2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- Alle Beiträge der Rubrik Naturkatastrophen

Quellen:
Pressemeldung vom 20.01., WMO website

15.01.2011

Wetteranfälligkeit der Bahn

Kritische Infrastruktur: Alle reden vom Wetter - wir nicht... So hat die Bahn in früheren Zeiten für ihren Service geworben. Die heutige Realität sieht anders aus: Ausfälle der Klimaanlagen im Sommer, gefrorene Weichen und Bremsen im Winter. Der Schienenverkehr hat sich im letzten Jahr wenig resilent gegenüber Wettereinflüssen gezeigt.

Diese Woche musste sich Bahnchef Rüdiger Grube vor der Verkehrsministerkonferenz erklären. Ein wichtiger Grund für das Winterchaos seien fehlende Ersatzzüge aufgrund verkürzter Wartungsintervalle der ICEs; es bestünde ein erheblicher Investitionsbedarf. Daneben spielten Mehrbuchungen von gestrandeten Fluggästen eine erhebliche Rolle. Grube konnte nicht versprechen, dass die Probleme bis zum kommenden Winter abgestellt sein werden.

Die Verkehrsminister forderten verstärkte Investitionen in Schienenwege und Züge. Als mögliche Quelle war die jährliche Dividende in Höhe von 500 Mio € im Gespräch, welche die Bahn an die Bundesrepublik abführen muss. Auch die Allianz pro Schiene forderte in 2011 eine Mehrinvestition von 1.000.000 ( 1 Mrd.) €.

Die Probleme bei der Bahn zeigen deutlich, dass eine intensive Sparpolitik zwecks Börsenreife, die häufig mit einer Reduktion sicherheitsrelevanter Redundanzen einhergehen, schlecht mit Robustheit gegenüber Störeinflüssen vereinbar sind. Gerade weil die Bahn ein Reserveverkehrsmittel bei Wetterbedingten Flugausfällen darstellt ist hier eine hohe Verlässlichkeit auch bei ungünstiger Witterung zu fordern.

Es bleibt zu hoffen, dass ähnliche Probleme in Zukunft nicht auch bei anderen Infrastruktureinrichtungen zu verzeichnen sind, die an der Schwelle zu Privatisierung stehen oder diese schon hinter sich haben (Strom-, Gas- und Wasserversorger, Post, Krankenhäuser etc.). Schließlich führen Ausfälle dieser Verrsorger nicht "nur" zu verärgerten Kunden sondern auch zu einem erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden.

Quellen:
- Pressemitteilung Allianz pro Schiene
- Die Zeit, Schlagwort Bahn
- Pressemeldung der Bahn vom 21.12.

08.01.2011

Vorsorgemaßnahmen bei Hochwasser

deNIS: In einem Themenspecial im deutschen Notfallvorsorge-Informationssystem (deNIS) bietet das BBK eine Linksammlung zu Vorsorgemaßnahmen und Verhaltensregeln bei Hochwasser an.

Neben Internetadressen der Hochwasserwarndienste der Bundesländer finden sich auch Links zu Bürgerinformationen, Verhaltensregeln im Rettungsboot, einem Anbieter für häuslichen Hochwasserschutz und zum Erfahrungsbericht Oderhochwasser.

Quelle: Themenspecial Vorsorgemaßnahmen bei Hochwasser

Ähnliche Posts:
- Länderübergreifendes Hochwasserprotal
- Alle Artikel zum Thema Wassergefahren

06.01.2011

Zum Hochwasser in Australien

Naturkatastrophen: Nach dem ersten Zyklon der Saison ist im Nordwesten Australiens eine Fläche so groß wie Deutschland und Franlreich überschwemmt. Ca. 200.000 Menschen sind betroffen; 10 Todesfälle sind zu beklagen.

Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht: Es wird prognostiziert, dass die Überflutung noch 10 Tage anhalten können. Außerdem wird von einer heftigeren Zyklonsaison als normal ausgegangen (Foto via Wikimedia Commons).

Rockhampton in flood

Weitere Informationen:
- MIC daily, der tägliche Katastrophenlagebericht der EU
- Artikel "Hochwasser in Australien" auf www.FWNetz.de
- Artikel "Hochwasser in Australien II" auf FWNetz

04.01.2011

2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen

Naturkatastrophen: Mehrere Großkatastrophen haben 2010 zu erheblichen Schäden und außergewöhnlich vielen Todesopfern geführt. Geprägt wird die Naturkatastrophen-Bilanz des vergangenen Jahres von einer Häufung von schweren Erdbeben, wie sie in den letzten Jahrzehnten nur selten zu beobachten war. Die hohe Anzahl von Wetterkatastrophen sowie Temperaturrekorde global und in den verschiedensten Regionen der Erde sind weitere Indizien dafür, dass der Klimawandel voranschreitet, so bilanziert die Münchner Rück das vergangene Jahr.

Alljährlich gibt der Rückversicherer seine Katastrophen-Schadensbilanz heraus. Das abgelaufene Jahr liegt dabei deutlich über dem 10-Jahresdurchschnitt. Mit 950 Naturkatastrophen ist 2010 das zweitmeist geplagte Jahr der letzten drei Jahrzehnte. Auch was die Todesopfer angeht liegt 2010 mit 295.000 Toten um gut den Faktor drei über dem zehnjährigen Durchschnitt. Dies ist vor allem dem Erdbeben in Haiti zuzuschreiben (Grafik links, zum Vergrößern klicken).

Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr fünf Katastrophen, die in Anlehnung an die Definition der Vereinten Nationen (UN) in die oberste Kategorie der Größtkatastrophen einzuordnen waren: Die Erdbeben in Haiti (12. Januar), in Chile (27. Februar) und in Zentral-China (13. April) sowie die Hitzewelle in Russland (Juli bis September) und die Überschwemmungen in Pakistan (ebenfalls Juli bis September). Auf sie entfiel im abgelaufenen Jahr der größte Teil der Todesopfer (insgesamt etwa 295.000) sowie knapp die Hälfte der gesamtwirtschaftlichen Schäden infolge von Naturkatastrophen (Grafik rechts).

Quellen:
- Pressemeldung Münchner Rück vom 03.01.
- Videostatement zum download (zip)

09.12.2010

Psychologie und Krisenverhalten

Forschung: Zwei aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen beschäftigen sich mit dem Thema Krisenpsychologie. In der Zeitschrift New England Journal of Medicine (NEJM) werden die Reaktionen auf Impfangebote gegen die pandemische Influenza diskutiert. Ein Artikel in Psychological Science deckt einen Zusammenhang zwischen angstschürender Berichterstattung in den Medien und der Bereitschaft vorgeschlagene Maßnahmen des Krisenmanagements zu befolgen auf.

Obwohl die abgelaufene Grippepandemie weniger dramatisch ablief als befürchtet war sie ein guter Testlauf für das weltweite Krisenmanagement, meinen Katherin Harris & Co. in NEJM (N Engl J Med 2010; 363:2183-2185). Offenbar wird, dass es nicht gelungen ist die Bevölkerung rechtzeitig gegen die neue H1N1-Influenza zu immunisieren. Neben der verspäteten Verfügbarkeit eines Impfstoffs lag dies auch an der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung sich impfen zu lassen. In den USA ließen sich nur 20% die Impfung verpassen, und selbst unter Beschäftigten im Gesundheitsbereich lag die Impfquote nur bei mauen 50%. Insbesondere diejenigen die auch die saisonale Grippeimpfung ablehnen standen dem Pandemie-Impfstoff skeptisch gegenüber.

Folglich reicht es bei weitem nicht aus einen sicheren, effektiven Impfstoff rasch in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss auch bei den potentiellen Empfängern die Bereitschaft geschaffen werden die Immunisierung anzunehmen. Die Kenntniss wie dies bewerkstelligt werden könnte ist jedoch noch unterentwickelt: Forschungsgelder fließen fast ausschließlich in die biomedizinische Impfforschung, während die sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Aspekte der Notfallvorsorge kaum gefördert werden.

Einen Hinweis wie Vertrauen in die Empfehlungen der Wissenschaftler geschaffen oder verloren werden kann liefert die Zeitschrift Psychological Sciences in der Januar-Ausgabe laut einer Pressemeldung: Setzt man Versuchspersonen Nachrichtenartikel vor, die die Gefahren der globalen Erwärmung betonen und entsprechend Endzeit-artige Szenarien herauf beschwören sinkt das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Artikels. Werden demgegenüber jedoch mögliche Lösungen des Klimaproblems in den Vordergrund gerückt und damit eine Perspektive geboten steigt die Glaubwürdigkeit der dargebotenen Fakten und gleichzeitig auch die Bereitschaft zur eigenen Verhaltensänderung.

Diese Erkenntnisse können Grundlagen für eine wissenschaftlich fundierte Krisenkommunikation liefern. So folgern die Autoren aus Ihrer Arbeit: "Angst-gestützte Apelle, insbesondere wenn sie nicht mit klaren Lösungsperspektiven verbunden werden, können das Gegenteil des gewünschten Effekts erzielen", nämlich das Vertrauen in die Handlungsempfehlungen zu schmälern anstatt zu einer zielgerichteten, situationsadäquaten Verhaltensänderung zu motivieren.

03.12.2010

Förderband auf dem Dach gegen Schneelast

Naturkatastrophen: Große Flachdächer sind bei heftigem Schneefall von Einsturz bedroht und müssen frei geräumt werden. Dies geschieht meist unter hohem Personaleinsatz in Handarbeit. Eine findige Idee hat nun der Elektronikversand Conrad in die Tat umgesetzt: mittels Schneefräse und Förderbändern dauert die Räumung nur ein Drittel der Zeit, und das mit dem halben Personal.

Die Logistikzentrale von Conrad in Wernberg-Köblitz in der Oberpfalz (Foto) ist so groß wie sechs Fußballfelder. Um das Dach vom Schnee zu befreien sind 70 Leute sechs bis acht Tage beschäftigt. Künftig sollen Förderbänder auf dem Dach den Schnee über den Rand befördern. Schneefräsen werfen den Schnee von der Dachfläche auf die Bänder.

Wie das aussieht lässt sich einem Artikel der Mittelbayerischen Zeitung vom 26.11. entnehmen. Demnach sei Conrad auch bereit, das know-how für die Schneeförderbänder anderen Interessierten zur Verfügung zu stellen.

05.09.2010

Katastrophenwiederaufbau: Die Armen verlieren, die Volkswirtschaft gewinnt?

NaturkatastropheNaturkatastrophen: Katastrophen treffen selbst in Industrienationen vor allem die sozial Schwachen, während die Gesellschaft als Ganzes durchaus profitieren kann. Dies erläutert John Mutter in einem Meinungsartikel in der Wissenschaftszeitschrift Nature (Nature 2010 (466), 1042) am Beispiel des Hurrikan Katrina, der sich in diesen Tagen zum fünften Mal jährt.

Selbst nach dieser Zeit ist in New Orleans lange nicht alles beim Alten: Die ärmeren Stadtteile der Metropole sind erst zu 24 % wieder bevölkert. Auch wichtige Infrastruktureinrichtungen wie Geschäfte, Schulen und Tankstellen sind weg geblieben. Den Armen ehemaligen Hauseigentümern fehlt, trotz staatlicher Hilfe, häufig das Geld für den Wiederaufbau. Dem gegenüber steht ein Zuwachs der Besiedelung in privilegierten Gegenden von 57 % im Vergleich zur Zeit vor der Überflutung.

Die gute Nachricht: Falls der Wiederaufbau nach größeren Schadensereignissen richtig durchgeführt wird, kann die betroffene Gesellschaft durchaus profitieren. Voraussetzung sei, so Mutter, dass nicht die Wiederherstellung des Vor-Zustands im Rahmen des Katastrophenaufbaus angestrebt wird, sondern nicht optimale Strukturen gezielt verbessert werden. Als Beispiel führt er eine für den tatsächlichen Bedarf zu schmale Brücke an, die von einem Unwetter weggespült wird. Wird diese durch ein bedarfsgerechtes, flutsicheres Bauwerk ersetzt, verbessern sich die Lebensbedingungen für die Bevölkerung und auch die Wirtschaft profitiert. Tatsächlich stand Alaska 5 Jahre nach dem Erdbeben von 1964 besser da als vor dem "Unglück". In den Industrienationen scheint die Wirtschaft insgesamt durch Katastrophen eher gestärkt als geschwächt zu werden.

Die Quintessenz aus diesen Erkenntnissen: Die Zunahme der Kluft zwischen Arm und Reich nach Katastrophen muss entschiedener angegangen werden. Durch richtigen Wiederaufbau, der sich nicht am Vorzustand sondern am Besseren orientiert können betroffene Gesellschaften von Katastrophen durchaus profitieren.

Quellen: Nature 2010 (466), 1042 (kostenpflichtig), Interview mit John Mutter im Nature podcast vom 26.08.2010 (kostenfrei, englisch)

22.08.2010

Sarkozy fordert EU-Katastrophen-Eingreiftruppe

Führung und Taktik: Der französische Präsident Sarkozy hat in einem offenen Brief die Aufstellung einer schnellen Eingreiftruppe der EU für Katastrophen gefordert. Diese soll sich aus militärischen Truppen der Mitgliedsstaaten zusammensetzen und im Bedarfsfall rasch praktische Hilfe leisten.

Im Hinblick auf die Naturkatastrophen in Haiti, Russland und Pakistan schreibt Sarkozy an den EU-Kommissionspräsidenten Barroso: "Eines zeigen die Naturkatastrophen und die Forderungen Frankreichs: Europa ist derzeit offenbar noch weit entfernt, von einer koordinierten, effektiven Hilfeleistung." Und weiter: "Nach Haiti und den Bränden in Russland müssen wir die Konsequenzen ziehen und eine echte EU-Eingreiftruppe für solche Krisenfälle aufbauen, die auf den nationalen Mitteln der Mitglieder beruht." Frankreich werde in Kürze konkrete Vorschläge für eine solche Truppe vorlegen. [Hier der komplette Brief vom 15.8. en francais.]

Auch jetzt gibt es bereits einen Katastrophenschutz-Mechansimus der EU, der sich aus den Instrumenten Beobachtungs- und Informationszentrum (Monitoring and Information Center, MIC; gibt u.a. den täglichen EU-Katastrophenlagebericht MIC Daily heraus), dem Gemeinsamen Notfall Kommunikations- und Informationssystem (Common Emergency Communication and Information System, CECIS), einem Ausbildungs- und Übungsprogramm und eben den von Sarkozy geforderten Katastrophen-Unterstützungsmodulen (Civil Protection Modules). Letztere sind aber offenbar bisher noch nicht mit Leben gefüllt, so dass sich die Katastrophenhilfe der EU bis dato vor allem auf die Koordination der Bevölkerungsschutzeinheiten der Teilnehmerstaaten beschränkt.

Quelle: EurActiv.de

20.08.2010

Bisher keine erhöhte Radioaktivität durch russische Waldbrände

deNIS: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nimmt Stellung zur Gefahr erhöhter Radioaktivität in der Atmosphäre aufgrund der Waldbrände in Russland. Bislang sind keine erhöhten Messwerte registriert worden und wohl auch nicht zu erwarten.

Nach dem Reaktor-GAU in Tschernobyl 1986 wurde eine größere Menge Radionuklide freigesetzt, die sich auch jetzt noch in der Umwelt rund um den Schadensort befinden. Durch Brände könnten diese Stoffe in die Atmosphäre und, bei ungünstigen Wetterbedingungen, auch bis nach Deutschland gelangen. Dies sei bei den aktuellen Waldbränden aber noch nicht der Fall gewesen. Das Bundesamt für Strahlenschutz räumt in der aktuellen Meldung aber ein, dass bei einem früheren Brand schon einmal radioaktive Teilchen bis in den Südwesten Deutschlands getragen wurden.

Eine weitere Gefahr stellen die Brände rund um atomare Anlagen in Russland dar. Sollten die Feuer auf diese übergreifen könnte weiteres strahlendes Material freigesetzt werden. Die Freisetzung von gefährlichen Stoffen durch Naturkatastrophen wird als Natech-Unfall bezeichnet.

Mehr zum Thema Natech-Unfälle findet sich im Magazin Bevölkerungsschutz 04/2008, S. 28ff.

Quellen: deNIS-Meldung, Meldung des BfS vom 11.8.