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18.03.2011

Gibt es einen PTSD-Rezeptor?

Forschung: In Frauen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) besteht ein Zusammenhang zwischen Ihrer Erkrankung und Bestandteilen eines bestimmten Östrogen-Signalübertragungswegs. Das berichten Kerry Ressler und Kollegen in der Zeitschrift Nature (Nature 2011 (470), 492–497).

Die Arbeitsgruppe konnte nach weisen, dass die Blutspiegel des Proteins PACAP (pituitary adenylate cyclase-activating polypeptide) bei Frauen signifikant mit der Schwere der PTSD-Symptome [Lexikon] korrelieren. Ferner konnte gezeigt werden, dass bestimmte genetische Varianten im Bereich von PACAP und seinem Rezeptor PAC1 für die Entwicklung eines posttraumatischen Belastungssyndroms prädisponieren. Bei Männern waren diese Beziehungen nicht nachweisbar.

PACAP ist ein Eiweißstoff aus der Hypophyse, der schon länger mit Verhaltens- und Hormonreaktionen auf emotionalen Stress in Verbindung gebracht wurde. PACAP und sein Rezeptor PAC1 spielen eine Rolle in der Östrogen-Signalübertragung, was erklärt, dass diese Effekte nur bei Frauen gefunden wurden.

Zukünftig könnten diese Erkenntnisse zur Entwicklung von PTSD-Bluttests oder neuen Medikamenten zur Vorbeugung oder behandlung von PTSD [Lexikon] beitragen.

Quelle:
Nature 2011 (470), 492–497 (englisch, Abstract kostenfrei, Volltext kostenpflichtig)

Verwandte Beiträge:
- Morphin und posttraumatische Belastungsstörung (09.02.2010)
- DINK 2011: PSU-Aspekte von Amoklagen in Schulen (05.03.2011)
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05.03.2011

DINK 2011: PSU-Aspekte von Amoklagen in Schulen

Kongressbericht: In der Sitzung "Großschadenlage/Amoklage" auf dem DINK 2011 sprach Frank Waldschmidt aus Barsinghausen über Aspekte der psychosozialen Unterstützung nach schulischen Amoklagen am Beispiel von Winnenden und Sankt Augustin.

Nach terrorartiger schulischer Gewalt leiden nicht nur die unmittelbar Betroffenen: Nach dem Amoklauf von Winnenden waren auch bei Schülerinnen und Schüler benachbarter, nicht-betroffener Schulen akute Belastungsreaktionen zu verzeichnen. Bei den Polizeikräften stieg die Nachfrage nach PSU um etwa 70 %.

Waldschmidt führte seine Erkenntnisse am Beispiel Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen aus: Im dortigen Schulzentrum (Haupt-, Realschule und Gymnasium in einem Gebäudekomplex, 1400 Schüler) brachte am 11.05.09 eine 16-jährige Gymnasiastin einen Rucksack mit 10 Molotow-Cocktails, einer Gaspistole und einem Messer auf eine Toilette und begann sich zu vermummen. Dabei wurde sie von einer anderen Schülerin beobachtet. Bei dem folgenden Kampf wurde diese an der Hand verletzt, flüchtete sich ins Sekretariat. Die Täterin tauchte unter. Im Rahmen der Vorbereitung hatte sie sich auch Schlüssel für die Klassenzimmer besorgt um die Abwehrtaktik der Schule zu durchbrechen, welche in Einsperren im Klassenzimmer bestand.

Bei dem folgenden Amokalarm waren allein auf Polizeiseite u.a. drei Hundertschaften und ein SEK im Einsatz. Da die mutmaßliche Täterin nicht gefunden werden konnte mussten die Schüler über etwa drei Stunden im Klassenzimmer verharren.

Der Einsatzschwerpunkt des Rettungsdienstes lag auf der PSU: Hierfür wurde ein eigener Einsatzabschnitt gebildet und mit einem Fachberater für schulische Krisenintervention ausgestattet. Die Einsatzkräfte waren v.a. im Wartebreich der Eltern, am Evakuierungspunkt und bei der Zusammenführung von Eltern und Kindern tätig.

Auch nach Abschluss des Akuteinsatzes wurden die Betreuungsangebote wie PSU-Hotline, Elternbrief und persönliche Gespräche aufrecht erhalten. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Personen mit dem höchsten Traumatisierungsrisiko gewidmet: Der Opferklasse, der Täterklasse, einer nach Hilferufen vom SEK eilig evakuierten 5. Klasse, Hausmeister und Sekretärinnen.

Unverständnis äußerte der Referent für die Diskrepanz zwischen dem Vorbeugungsaufwand für den Brandschutz und den für Amoklagen, obwohl hierbei deutlich mehr Schüler zu Schaden kamen als bei Schulbränden.

Der 2. Deutsche Interdisziplinäre Notfallmedizin Kongress (DINK) fand vom 24. bis 26.02.2011 in Wiesbaden statt. Homepage: www.dink2011.de.

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09.12.2010

Psychologie und Krisenverhalten

Forschung: Zwei aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen beschäftigen sich mit dem Thema Krisenpsychologie. In der Zeitschrift New England Journal of Medicine (NEJM) werden die Reaktionen auf Impfangebote gegen die pandemische Influenza diskutiert. Ein Artikel in Psychological Science deckt einen Zusammenhang zwischen angstschürender Berichterstattung in den Medien und der Bereitschaft vorgeschlagene Maßnahmen des Krisenmanagements zu befolgen auf.

Obwohl die abgelaufene Grippepandemie weniger dramatisch ablief als befürchtet war sie ein guter Testlauf für das weltweite Krisenmanagement, meinen Katherin Harris & Co. in NEJM (N Engl J Med 2010; 363:2183-2185). Offenbar wird, dass es nicht gelungen ist die Bevölkerung rechtzeitig gegen die neue H1N1-Influenza zu immunisieren. Neben der verspäteten Verfügbarkeit eines Impfstoffs lag dies auch an der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung sich impfen zu lassen. In den USA ließen sich nur 20% die Impfung verpassen, und selbst unter Beschäftigten im Gesundheitsbereich lag die Impfquote nur bei mauen 50%. Insbesondere diejenigen die auch die saisonale Grippeimpfung ablehnen standen dem Pandemie-Impfstoff skeptisch gegenüber.

Folglich reicht es bei weitem nicht aus einen sicheren, effektiven Impfstoff rasch in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss auch bei den potentiellen Empfängern die Bereitschaft geschaffen werden die Immunisierung anzunehmen. Die Kenntniss wie dies bewerkstelligt werden könnte ist jedoch noch unterentwickelt: Forschungsgelder fließen fast ausschließlich in die biomedizinische Impfforschung, während die sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Aspekte der Notfallvorsorge kaum gefördert werden.

Einen Hinweis wie Vertrauen in die Empfehlungen der Wissenschaftler geschaffen oder verloren werden kann liefert die Zeitschrift Psychological Sciences in der Januar-Ausgabe laut einer Pressemeldung: Setzt man Versuchspersonen Nachrichtenartikel vor, die die Gefahren der globalen Erwärmung betonen und entsprechend Endzeit-artige Szenarien herauf beschwören sinkt das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Artikels. Werden demgegenüber jedoch mögliche Lösungen des Klimaproblems in den Vordergrund gerückt und damit eine Perspektive geboten steigt die Glaubwürdigkeit der dargebotenen Fakten und gleichzeitig auch die Bereitschaft zur eigenen Verhaltensänderung.

Diese Erkenntnisse können Grundlagen für eine wissenschaftlich fundierte Krisenkommunikation liefern. So folgern die Autoren aus Ihrer Arbeit: "Angst-gestützte Apelle, insbesondere wenn sie nicht mit klaren Lösungsperspektiven verbunden werden, können das Gegenteil des gewünschten Effekts erzielen", nämlich das Vertrauen in die Handlungsempfehlungen zu schmälern anstatt zu einer zielgerichteten, situationsadäquaten Verhaltensänderung zu motivieren.

30.08.2010

E-Mail-Hilfe für belastete Einsatzkräfte

Psychosoziale Unterstützung: "Netzwerk Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)" bietet seit Ende Juli für Einsatzkräfte eine kostenfreie E-Mail-Beratung rund um psychosoziale Belastungen in der Gefahrenabwehr an. E-Mails an einsatzkraft@netzwerk-psnv.de werden innerhalb von 24 Stunden beantwortet.

Die E-Mail-Beratung soll von professionellen qualifizierten psychosozialen Fachkräften durchgeführt werden. Einsatzkräfte die sich belastet fühlen oder Fragen rund um Stress und psychosoziale Gesundheit stellen möchten haben die Möglichkeit, sich vertraulich und unabhängig von ihrer Organisation beraten zu lassen, persönliche Beratungsgespräche zu vereinbaren bzw. weiter führende Hilfen (z. B. therapeutische Hilfen) vermittelt zu bekommen.

Die Organisation "Netzwerk PSNV" (welche Rechtsform sie hat ist der Internet-Präsenz nicht zu entnehmen) ist nicht zu verwechseln mit dem Forschungsprojekt "Netzwerk Psychosoziale Notfallversorgung" zur Entwicklung von Standards in der PSNV.

Quelle: "Netzwerk PSNV"

09.02.2010

Morphin und posttraumatische Belastungsstörung

Psychosoziale UnterstützungForschung: In einer Untersuchung an Soldatinnen und Soldaten mit Kriegsverletzungen konnte ein Zusammenhang zwischen Morphin-Gaben und einem verminderten Auftreten von posttraumatischen Belastungsstörungen festgestellt werden (NEJM (362) 2010, 110-117).

Eine postraumatische Belastungsstörung (PTSD) ist eine häufige Folge von traumatischen Erlebnissen außerhalb normaler menschlicher Erfahrung, etwa während Verwundung durch kriegerische Handlungen. In einer Publikation der Zeitschrift New England Journal of Medicine konnte jetzt gezeigt werden, dass US-amerikanische Streitkräfte die nach Verwundung im Irak-Krieg im Rahmen der Akutversorgung mit Morphin behandelt wurden seltener ein PTSD entwickelten als solche ohne Morphin-Therapie (61% gegenüber 76%).

Dies könnte ein Hinweis sein, dass sich durch Morphin-Gaben in der Akutphase das Risiko für ein PTSD vermindern lässt. Allerdings handelt es sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie, so dass sich hieraus nur ein Zusammentreffen von Ereignissen (Koinzidenz) und nicht ein ursächlicher (kausaler) Zusammenhang ableiten lässt. Um zu beweisen, dass sich durch Morphin tatsächlich die Wahrscheinlichkeit für ein PTSD vermindern lässt wäre eine verblindete und randomisierte, kontrollierte Therapiestudie notwendig.

Eine ausführliche Betrachtung des Artikels auf deutsch findet sich in der Zeitschrift Notfall und Rettungsmedizin 2010 (DOI: 10.1007/s10049-010-1349-0, kostenpflichtig für Nicht-Abonnenten).

Posttraumatische Belastungsstörung

Lexikon: Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD, von englisch: post-traumatic stress disorder) ist eine anhaltende psychopathologische Reaktion auf belastende Erlebnisse jenseits normaler menschlicher Erfahrung.

Auslöser sind bedrohliche Erlebnisse von dramatischem oder sogar katastrophalem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.

Die Symptome können verzögert auftreten, meist als zwanghafte Nachhallerinnerungen, Albträume, vegetative Übererregbarkeit, Vigilanzsteigerung, Vermeidungsverhalten, Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit anderen gegenüber, um nur die wichtigsten zu nennen. Für die Diagnose müssen die Beschwerden mehr als einen Monat anhalten.

Quellen: Wikipedia, ICD-10.