12.03.2011

Natech-Unfälle

Lexikon: Natech-Unfälle sind technische Havarien die durch Naturgefahren ausgelöst werden.

Natech steht für natural hazard triggering technological disasters, also durch Naturgefahren ausgelöste technische Katastrophen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Kettenreaktionen ist natürlich geringer als die der einzelnen Ereignisse, das Gefahrenpotenzial - nicht zuletzt aufgrund ohnehin ausgelasteter Gefahrenabwehrpotenziale - aber überproportional hoch. Deshalb sollten Natech-Unfälle bei der Notfallplanung entsprechend gewürdigt werden.

Beispiele:
Im August 1999 löste ein Erdbeben in der Türkei einen 4 Tage dauernden Großbrand im Tanklager einer Raffinierie aus. Da dieser auf eine Düngemittelfabrik überzugreifen drohte mussten großräumige Evakuierungen durchgeführt werden.
Sommer 2002: Durch das Elbehochwasser kam es zum Austritt von 80 t giftigem Chlor.
März 2011: Ein Erdbeben im Norden Japans führte zu Stromausfall in mehreren Kernkraftwerken so dass deren Kühlsysteme dadurch versagten. Es kam vermutlich zur Kernschmelze und zum Austritt von Radioaktivität.

Mehr zum Thema Natech-Unfälle findet sich im Magazin Bevölkerungsschutz 04/2008, S. 28ff.

Verwandte Beiträge:
- Hintergrundinfos zur Erdbebenkatastrophe in Japan (12.03.2011)
- Bisher keine erhöhte Radioaktivität durch russische Waldbrände (20.08.2010)
- Alle Artikel der Rubriken Lexikon oder Naturkatastrophen

11.03.2011

deNIS-Themenspecial Vogelgrippe

Nachricht: Das deutsche Notfallvorsorge-Infomationssystem hat ein Themenspecial zu Vogelgrippe / Geflügelpest / Influenza A/H5N1 publiziert.

DeNIS bietet im Themenspecial Vogelgrippe vom 02.03. eine umfangreiche link-Sammlung mit aktuellen Beiträgen z.B. zu:

- Falldefinition Influenza A/H5N1
- Sie fragen - die Bundesregierung antwortet
- Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet
- Landesbezogene Auskunft über die Geflügelpest
- Empfehlungen für Führungskräfte im Katastrophenschutz im Zusammenhang mit der Vogelgrippe (BBK)
- Vogelgrippe – Information für Einsatzkräfte – BBK
- Geeigneter Atemschutz vor luftübertragenen Infektionserregern – HVBG
- Beim Verdacht auf aviäre Influenza A/H5(N1)

Verwandte Beiträge:
- RKI-Merkblatt Influenza überarbeitet (11.02.2011)
- Begriffe aus der Infektionsepidemiologie (03.03.2011)
- Alle Artikel der Rubriken B-Gefahren, deNIS und Nachricht

09.03.2011

Cyber-Abwehrstrategie für Deutschland

Kritische Infrastruktur: Am 23. Februar hat das Kabinett die neue Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland beschlossen. Ein wichtiger Baustein wird ein Nationales Cyber-Abwehrzentrum sein.

Ziel der Strategie ist, Cyber-Sicherheit in Deutschland auf einem hohen Niveau zu gewährleisten - ohne dabei die Chancen und den Nutzen des Cyber-Raums zu beeinträchtigen. Kernpunkte der neuen Strategie sind:

- der verstärkte Schutz Kritischer Infrastrukturen vor IT-Angriffen,
- der Schutz der IT-Systeme in Deutschland einschließlich einer Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger,
- der Aufbau eines Nationalen Cyber-Abwehrzentrums ab 01.April 2011 sowie die Einrichtung eines Nationalen Cyber-Sicherheitsrates.

Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum wird unter der Federführung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) errichtet. Direkt beteiligt werden das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Aufgabe des Cyber-Abwehrzentrums besteht darin, Informationen auszutauschen. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum ermöglicht es, schnell und abgestimmt alle Informationen zu Schwachstellen in IT-Produkten oder IT-Vorfällen zu vernetzen, diese zu analysieren und Empfehlungen zum Schutz der IT-Systeme zur Verfügung zu stellen bzw. auszusprechen.

Verwandte Artikel:
- Lagebericht zur IT-Sicherheit (29.12.2010)
- LÜKEX 2011 und 2013 (03.07.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik Kritische Infrastruktur

Quellen / weitere Informationen:
- Pressemeldung des Innenministeriums vom 23.02.11
- Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland im Volltext (pdf, 2 MB)

07.03.2011

Bevölkerungsschutz-Magazin: Geoinformationen

Nachricht: Dier erste Ausgabe des Bevölkerungsschutz-Magazins des Jahres 2011 behandelt das Schwerpunktthema "Geoinformationen: Daten für einen modernen Bevölkerungsschutz".

Themen der Ausgabe sind:
• Geoinformationen im Bevölkerungsschutz
• Geodaten für die Risikoanalyse
• Eine Erdbebenrisikokarte für die Schweiz
• OpenStreetMap
• Web 2.0: Neue Perspektiven für den Bevölkerungsschutz?
• Weltraumtechnik für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
• Unbemannte Flugsysteme im zivilen Krisenmanagement
• Ehrenamt: Die Helfende Hand 2010 geht an ...

Hier geht's direkt zur Ausgabe 1/2011 des Magazins Bevölkerungsschutz (pdf, 5,7 MB).

Das Bevölkerungsschutz-Magazin wird vier mal im Jahr vom BBK herausgegeben und kann kostenfrei über das Internet bezogen werden. Die Druckversion kann hier bestellt werden. Frühere Ausgaben können über das Archiv eingesehen werden.

05.03.2011

DINK 2011: PSU-Aspekte von Amoklagen in Schulen

Kongressbericht: In der Sitzung "Großschadenlage/Amoklage" auf dem DINK 2011 sprach Frank Waldschmidt aus Barsinghausen über Aspekte der psychosozialen Unterstützung nach schulischen Amoklagen am Beispiel von Winnenden und Sankt Augustin.

Nach terrorartiger schulischer Gewalt leiden nicht nur die unmittelbar Betroffenen: Nach dem Amoklauf von Winnenden waren auch bei Schülerinnen und Schüler benachbarter, nicht-betroffener Schulen akute Belastungsreaktionen zu verzeichnen. Bei den Polizeikräften stieg die Nachfrage nach PSU um etwa 70 %.

Waldschmidt führte seine Erkenntnisse am Beispiel Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen aus: Im dortigen Schulzentrum (Haupt-, Realschule und Gymnasium in einem Gebäudekomplex, 1400 Schüler) brachte am 11.05.09 eine 16-jährige Gymnasiastin einen Rucksack mit 10 Molotow-Cocktails, einer Gaspistole und einem Messer auf eine Toilette und begann sich zu vermummen. Dabei wurde sie von einer anderen Schülerin beobachtet. Bei dem folgenden Kampf wurde diese an der Hand verletzt, flüchtete sich ins Sekretariat. Die Täterin tauchte unter. Im Rahmen der Vorbereitung hatte sie sich auch Schlüssel für die Klassenzimmer besorgt um die Abwehrtaktik der Schule zu durchbrechen, welche in Einsperren im Klassenzimmer bestand.

Bei dem folgenden Amokalarm waren allein auf Polizeiseite u.a. drei Hundertschaften und ein SEK im Einsatz. Da die mutmaßliche Täterin nicht gefunden werden konnte mussten die Schüler über etwa drei Stunden im Klassenzimmer verharren.

Der Einsatzschwerpunkt des Rettungsdienstes lag auf der PSU: Hierfür wurde ein eigener Einsatzabschnitt gebildet und mit einem Fachberater für schulische Krisenintervention ausgestattet. Die Einsatzkräfte waren v.a. im Wartebreich der Eltern, am Evakuierungspunkt und bei der Zusammenführung von Eltern und Kindern tätig.

Auch nach Abschluss des Akuteinsatzes wurden die Betreuungsangebote wie PSU-Hotline, Elternbrief und persönliche Gespräche aufrecht erhalten. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Personen mit dem höchsten Traumatisierungsrisiko gewidmet: Der Opferklasse, der Täterklasse, einer nach Hilferufen vom SEK eilig evakuierten 5. Klasse, Hausmeister und Sekretärinnen.

Unverständnis äußerte der Referent für die Diskrepanz zwischen dem Vorbeugungsaufwand für den Brandschutz und den für Amoklagen, obwohl hierbei deutlich mehr Schüler zu Schaden kamen als bei Schulbränden.

Der 2. Deutsche Interdisziplinäre Notfallmedizin Kongress (DINK) fand vom 24. bis 26.02.2011 in Wiesbaden statt. Homepage: www.dink2011.de.

Ähnliche Artikel:
- Weitere Kongressberichte
- Alle Beiträge zum Thema PSU
- Alle Beiträge zum Thema Aus- und Fortbildung

03.03.2011

Begriffe aus der Infektionsepidemiologie

Lexikon: Bei der Verbreitung von übertragbaren Krankheiten fallen immer wieder typische Begriffe, die für das Verständniss der Vorgänge wichtig sind. Hier möchte ich die Fachtermini Index-Fall, Ausbruch, Epidemie, Endemie und Pandemie erklären.

Index-Fall: Der Index-Fall ist der erste ermittelbare Patient am Anfang einer Infektionskette. Die Suche nach dem Index-Patienten ist eine wichtige Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes um Ausbreitungswege, Erregerreservoire und weitere Kontaktpersonen identifizieren zu können.

Ausbruch: Das Auftreten von mehr Fällen einer Erkrankung als erwartet, also mindestens zwei in engem zeitlichen oder kausalem Zusammenhang stehende Erkrankungsfälle, gegebenenfalls als Vorstufe zur Epidemie. Beispiel: Nach einem Sommerfest erkranken sieben von 20 Besuchern an Brechdurchfall.

Epidemie: Ein gehäuftes, örtlich und zeitlich begrenztes Infektionsgeschehen beim Menschen. Beispiel: Zeitlich begrenzte Verbreitung des Chikungunya-Virus durch Mücken nach Einschleppung aus den Tropen.

Endemie: Das gehäufte, zeitlich unbegrenzte Auftreten einer menschlichen (Infektions-) Erkrankung in einem bestimmten Gebiet oder auch weltweit. Endemien laufen relativ stabil und vorhersagbar ab. Beispiel: Über die Jahre wiederkehrende Häufung von durch Zecken übertragener Borreliose in bestimmten Risikogebieten entlang von Flussläufen.

Pandemie: Ein sich ausbreitendes menschliches Infektionsgeschehen, dass zeitlich, aber nicht regional begrenzt ist. Beispiel: Die transkontinentale Verbreitung eines neu aufgetretenen Influenzastamms. Etabliert sich das Virus im Verlauf in der Bevölkerung oder tritt es als jährliche Grippewelle wiederkehrend auf bezeichnet man dies als Endemie.


Tabelle: Infektionsepidemiologische Begriffe
Örtlich begrenzt Örtlich nicht begrenzt
Zeitlich begrenzt Epidemie Pandemie
Zeitlich nicht begrenzt Endemie Endemie

Unter Tierbeständen spricht man von Epizootie, Enzootie und Panzootie.

Verwandte Beiträge:
- Q-Fieber-Ausbruch in Hessen und NRW (26.02.2011)
- Internet-Suchmaschine als Mittel zur Pandemie-Überwachung (02.01.2010)
- Alle Artikel der Rubrik B-Gefahren oder Lexikon

01.03.2011

DKKV-Infoblatt 1/2011 erschienen

Nachricht: Das Infoblatt Nr. 1/2011 des Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV) ist erschienen. Das Infoblatt kann unter www.dkkv.org heruntergeladen oder als Newsletter bestellt werden.


Die Themen sind:
- Dr. Irmgard Schwaetzer übergibt Vorsitz an Gerold Reichenbach
- REX-INTEGRATED-PREVENTION – Ein Projekt des DKKV mit Unterstützung der Europäischen Kommission
- 3. Sitzung der Global Platform for Disaster Risk Reduction, 08. – 13.05.2011 in Genf
- 11. Forum 2011 in Potsdam
- DKKV wird als Nationalkomitee des Forschungsprogrammes „Integrated Research on Disaster Risk (IRDR)“ anerkannt


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